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Vorsicht, Verschwörung!

Woran sich Desinformation erkennen lässt

Verschwörungs­erzählungen machen auch vor Klassen­zimmern nicht halt. Umso wichtiger ist das Vermitteln von Medien­kompetenz an den Schulen.

© iStock

In Zeiten der Krise haben Verschwörungs­mythen Hoch­konjunktur: Im Mittelalter wurden während der Pest-Pandemie die Juden bezichtigt, Brunnen vergiftet zu haben. Über die Spanische Grippe hieß es Anfang des 20. Jahr­hunderts, sie sei eine Biowaffe, und das heutzutage grassierende Corona­virus SARS-CoV-2 soll, je nach Erzählung, absichtlich in einem Labor in China gezüchtet worden sein oder durch Microsoft-Gründer Bill Gates entstanden sein. Er strebe durch Corona eine Zwangs­impfung der Menschheit mit dem Ziel der Welt­herrschaft an. „Krisen bedeuten Kontroll­verlust, und eine Verschwörungs­erzählung sorgt für Struktur“, sagt Pia Lamberty, Sozial­psychologin und Autorin des in diesem Jahr erschienenen Buchs „Fake Facts. Wie Verschwörungs­theorien unser Denken bestimmen“. „Diejenigen, die daran glauben, haben ein Feind­bild, auf das sie ihre Ängste projizieren können. Das nimmt der Situation, zumindest scheinbar, die Bedrohlichkeit.“

Medien­kompetenz früh­zeitig erlernen

Dank sozialer Netzwerke verbreiten sich Desinformations­kampagnen rasant rund um die ganze Welt. Sie sind vor allem für Kinder und Jugendliche gefährlich, denn diese stehen erst am Anfang ihrer politischen Entwicklung. Und obwohl viele Schülerinnen und Schüler eigene Smartphones, Tablets und Computer besitzen, müssen sie häufig erst noch lernen, kritisch damit umzugehen. Der „International Computer and Information Literacy Study (ICILS)“ zufolge, einer Studie zur Medien­kompetenz von Schülern der achten Jahr­gangs­stufe, erreicht überhaupt nur ein Viertel der „Digital Natives“ aus den Teil­nehmer­ländern das niedrigste Niveau der geforderten digitalen Kompetenzen. Und lediglich 2 Prozent das höchste. Unter den deutschen Schülerinnen und Schülern verfügt lediglich ein Drittel über rudimentäre oder basale computer- und informations­bezogene Fähigkeiten. Die Jugendlichen konnten Informationen, die sie online vorfanden, weder richtig einordnen noch kritisch hinter­fragen. Und sind damit anfällig für Fake News, Verschwörungs­erzählungen – und letztlich Manipulations­versuche, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie bedrohen.

Victor Kappel studiert Geschichtswissenschaften an der Universität Konstanz, ist freier Mitarbeiter der Landes­zentrale für politische Bildung (lpb) Baden-Württemberg und zudem Autor im Team des lpb-Online-Work­shops „Achtung Fake News. Gib Fakes keine Chance!“

Verschiedene Experten zum Thema befragen

Um Schülerinnen und Schüler darin zu unterstützen, Desinformations­kampagnen zu erkennen, hat die Landeszentrale für politische Bildung Baden Württemberg den Online­kurs „Sind denn alle verrückt hier?! Verschwörungs­theorien erkennen“ entwickelt. In diesem E-Learning-Angebot möchten die drei Jugendlichen Anna, Dave und Marc herausfinden, was es mit den Kondens­streifen am Himmel auf sich hat. Um die langen dünnen Wolken im Gefolge von Flug­zeugen ranken sich unter dem Stichwort „Chemtrails“ bereits seit den 1990er-Jahren zahlreiche Verschwörungs­erzählungen. Es heißt, sie entstünden, weil Flugzeuge im Auftrag von Staaten Chemikalien versprühen, mit denen sie Wetter und Klima ändern, Menschen vergiften oder anderweitig Einfluss auf das Welt­geschehen nehmen wollen.

„Anna, Dave und Marc begeben sich bei ihrer Recherche zu drei Fachleuten“, sagt Victor Kappel, Master­student der Geschichts­wissenschaften an der Universität Konstanz und Autor des Onlinekurses. „Ihr Chemie­lehrer erläutert das Phänomen der Kondens­streifen aus natur­wissenschaftlicher Sicht. Bei Frau Schmidt erfahren die Schülerinnen und Schüler, welche Merkmale Verschwörungs­theorien ausmachen und wie man sie erkennen kann – zum Beispiel am polarisierenden schwarz-weißen Weltbild. Und in Lektion drei überlegen Anna, Dave und Marc mit einer weiteren Expertin, wie man im Alltag mit Verschwörungs­theorien umgehen kann. Unsere zentralen Frage­stellungen im Kurs lauten also: Wie werde ich angesprochen? Wie kann ich Verschwörungs­theorien erkennen? Was wird mit mir gemacht? Und wie kann ich mich verhalten, wenn ich auf Fake News stoße?“

Der Kurs konzentriert sich auf Chemtrails, weil die meisten Jugendlichen bei diesem Thema vermutlich relativ unvoreingenommen sind, so Victor Kappel. „Anders sieht es bei Verschwörungs­mythen um ,9/11‘ aus, die Illuminaten oder die Reichs­bürger. Die Gedanken und Theorie­gebilde rund um diese Themen sind bei den Jugendlichen durchaus präsent, und möglicher­weise haben sie sich bereits eine Meinung hierzu gebildet. In unserem Kurs geht es letztlich aber nicht um eine spezielle Verschwörungs­erzählung. Wir wollen vielmehr ein Rüst­zeug an die Hand geben, mit dessen Hilfe die Schüler generell Fake News und Verschwörungs­theorien erkennen können. Kurzum: Es geht um multi­medial vermittelte Medien­kompetenz und die Grundlagen der Quellen­kritik.“

Jugendlichen auf Augen­höhe begegnen

Lehrkräften empfiehlt Victor Kappel, den Onlinekurs in aktuelle Geschehnisse einzubetten und die Schülerinnen und Schüler vorab, eventuell anonym, zu befragen, welche Verschwörungs­theorien sie bereits kennen. „Davon ausgehend ist es aus meiner Sicht ganz wichtig, den Jugendlichen auf Augen­höhe zu begegnen. Sie befinden sich ja in einem Alter, in dem sie empfänglich für vermeintliches Geheim­wissen werden, sich informieren und sich möglicher­weise freuen, über andere oder mehr Informationen als die Erwachsenen zu verfügen. Werden die Schülerinnen und Schüler dann nicht ernst genommen, mauern sie vermutlich und sind für die kritische Auseinander­setzung mit Quellen nicht mehr so zugänglich.“

Die Quellenkritik zum Erkennen von Fake News muss nicht immer kompliziert sein. Oft lassen sich unseriöse Nachrichten bereits an zahl­reichen Rechtschreib­fehlern und einem inflationären Gebrauch von Ausrufe­zeichen erkennen. Ein weiteres Tool zum Entlarven von Fake News ist die Google-Rückwärts-Bildersuche. Bei ihr wird im Internet ein Bild mit anderen verglichen, und Websites mit dem gesuchten Bild werden angezeigt. Dadurch verschafft die Rückwärts-Suche rasch Klarheit darüber, welchem Kontext eine Aufnahme entstammt und ob sie in Zusammenhang mit der Quelle richtig verwendet wird.

„Hilfreich sind auch die unterschiedlichen Fakten­finder der öffentlich-rechtlichen Medien. Außerdem können Lehrkräfte gut Recherche­aufträge an Schülerinnen und Schüler zum Thema Verschwörungs­erzählungen vergeben und das Thema so in den Unterricht einbinden.“

Spielerisch gegen Verschwörungs­erzählungen vorgehen

Eine weitere Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen das Aufdecken von Fake News und Verschwörungs­erzählungen nahe­zu­bringen, ist das kostenlos verfügbare Spiel „Bad News“. Mit ihm lernen Jugendliche, wie Fake News aufgebaut sind, indem sie selbst welche konstruieren. Sie schlüpfen dafür in die Rolle eines Internet-Betrügers und erfinden ihr eigenes Nachrichtenportal, für das sie möglichst viele Follower gewinnen sollen. Hierzu Pia Lamberty: „Wo verstärkt die Rede von ,Homeschooling‘ und ,digitaler Lehre‘ ist, sind solche Spiele eine niedrig­schwellige Möglichkeit, sich den Themen Fake News und Verschwörungs­glauben anzunähern.“

„Sind denn alle verrückt hier?! Verschwörungstheorien erkennen“

Der E-Learning-Kursraum ist kostenfrei und ohne Anmeldung über die Internet­adresse https://www.elearning-politik.de/verschwoerungstheorien-kurs zugänglich. Zur Durch­­führung benötigen die Schülerinnen und Schüler Tablets oder andere Computer, mit denen sie allein oder im Zweier­­team arbeiten. Es empfehlen sich Kopf­hörer, da der 90-Minuten-Kurs viel mit Audio- und Video­­inhalten arbeitet. Für die Auswertung des Arbeits­­blatts, mit dem die Ergebnisse fest­­gehalten werden, sollten ungefähr 20 Minuten eingeplant werden. Weitere Angebote finden Sie hier.

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