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Corona: Pandemie der Verschwörungs­mythen

Während der Pandemie verbreiten sich nicht nur Corona­viren über die ganze Welt, sondern auch Verschwörungs­mythen. Wie Kinder und Jugendliche verdrehte Fakten aufdecken und sich vor Meinungs­mache schützen können, erklärt die Sozial­psychologin und Buch­autorin Pia Lamberty.

© Getty Images

Frau Lamberty, seit Wochen demonstrieren Impfgegner, Demokratie­feinde und Anhänger von Verschwörungs­glauben gegen Deutschlands Corona-Politik. Überrascht Sie das?
Nein. Verschwörungserzählungen haben in Zeiten von Krankheiten Konjunktur, das zeigt sich immer wieder: Während der Pest im Mittel­alter wurden die Juden bezichtigt, die Brunnen vergiftet zu haben, mit der traurigen Konsequenz von Pogromen. Und über die Spanische Grippe hieß es Anfang des 20. Jahrhunderts, sie sei eine Biowaffe gewesen. Krisen bedeuten Kontroll­verlust, und eine Verschwörungs­erzählung sorgt für Struktur. Diejenigen, die daran glauben, haben ein Feindbild, auf das sie ihre Ängste projizieren können. Das nimmt der Situation, zumindest scheinbar, die Bedrohlichkeit.

Welche Verschwörungs­erzählungen sind im Moment zentral?
Nicht alles, was derzeit als Verschwörungserzählung gilt, würde ich selbst dazu zählen. Ich unterscheide vielmehr zwischen einer Falsch­information, die einfach fehlerhaft ist, Desinformation, die gezielt verbreitet wird und Verwirrung stiften soll, und einer Verschwörungs­erzählung, die das Ergebnis von bewusster Desinformation sein kann.

Wenn jemand sagt, Corona sei nicht schlimmer als eine Grippe, dann ist das nach meiner Erkenntnis entweder eine Falsch- oder eine gezielte Desinformation. Eine Verschwörungs­erzählung braucht zusätzlich mächtige Akteure im Geheimen. Zum Beispiel: Corona ist zwar nur so schlimm wie die Grippe, aber die Regierung behauptet, es sei anders, um Bargeld abzuschaffen. Eine weitere Erzählung, die man im Moment immer wieder hört, ist, dass der Milliardär Bill Gates hinter Corona steckt und davon profitiert.

Die Novelle des Infektions­schutz­gesetzes ist ebenso Gegenstand der Narrative. Hier fallen vor allem die bagatellisierenden und schwer erträglichen Vergleiche mit dem National­sozialismus auf, bei denen manche Menschen so weit gehen, sich einen gelben Stern anzukleben, auf dem „Impf­gegner“, „Verschwörungs­theoretiker” und manchmal sogar „Jude“ steht.

Diese Menschen stellen sich als Opfer eines Regimes dar, das sie als „faschistoid“ bezeichnen.
Genau. Das ist zwar an sich noch keine reine Verschwörungs­erzählung, geht aber in die Richtung. Ein Verschwörungs­glaube, der immer wieder neu aufgelegt wird, ist, dass das Corona­virus aus einem Geheim­labor stammt. Hier gibt es Parallelen zu Aids oder Ebola – über beide Erreger wurde das von Verschwörungs­ideologen ebenfalls gemutmaßt.

Sind Kinder und Jugendliche besonders anfällig für solche Verschwörungs­erzählungen?
Nein. Da unterscheiden sich Kinder und Jugendliche nicht von Erwachsenen. Über­wiegend hängen Menschen einer Verschwörung an, die ein starkes Bedürfnis haben, einzig­artig zu sein und aus der Masse heraus­zu­stechen. In ihrem Welt­bild gibt es ein absolut Böses und entsprechend auch ein absolut Gutes. Diejenigen, die sich auf der Seite des Guten wähnen, verfügen ihrer Auffassung nach über ein Geheimwissen, und sie befinden sich im Wider­stand. Der Glaube an die Verschwörung ist damit für sie ein narzisstischer Zugewinn.

Aber Kinder und Jugendliche stehen am Anfang der Entwicklung einer politischen Identität. Insofern ist Aufklärung bei ihnen ganz besonders wichtig.

Wie kann man sie darin unter­stützen, Falsch­information, Desinformation und Verschwörungs­glaube von Fakten zu unter­scheiden?
Eine Studie besagt, dass die Hälfte der Bevölkerung mehr ihrem Bauch­gefühl als Experten vertraut – eine erschreckende Zahl. Auch sehr hoch ist die Anzahl der Impf­gegner, die 2019 bei 18 Prozent lag. Die Welt­gesundheits­organisation (WHO) bezeichnete Impf­gegner bereits 2019 als „globale Gefahr“.

Man kann vor diesem Hintergrund also nicht früh genug damit anfangen, zu vermitteln, welche Quellen als seriös einzuordnen sind und welche nicht. Ich selbst höre immer wieder den Satz „Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Als Empirikerin kann ich versichern, dass Daten­fälschung so gut wie nie in der Wissenschaft vorkommt: Es ist schlicht­weg sehr schwierig, Daten zu fälschen. Aber natürlich gibt es Unter­schiede: Eine Meta­analyse sagt mehr aus als eine einzelne Korrelations­studie. Hier gilt es dar­zu­stellen, wie man differenziert.

Es gibt außerdem sehr effektive Angebote für die Schule. Zwei Psychologen aus Großbritannien haben beispiels­weise das Spiel „Get Bad News“ entwickelt. Dabei lernen Jugendliche, wie Fake News aufgebaut werden, indem sie selbst welche konstruieren. Nach dem Spiel sind sie deutlich besser darin als vorher, Falsch­nachrichten zu entlarven. Wo verstärkt die Rede von „Homeschooling“ und „digitaler Lehre“ ist, sind solche Spiele eine niedrig­schwellige Möglichkeit, sich den Themen Fake News und Verschwörungs­glauben anzunähern.

Welche Verantwortung haben die sozialen Medien bei der Verbreitung von Verschwörungs­narrativen?
Das ist schwer zu sagen, weil es keine Daten dazu gibt. Wenn man bedenkt, dass der Verschwörungsglaube schon immer und in allen Kulturen eine Rolle gespielt hat, denke ich zwar, dass soziale Medien einen Einfluss haben, dass er in der öffentlichen Debatte aber überschätzt wird.

Pia Lamberty Pia Lamberty ist Sozial­psychologin und promoviert an der Universität Mainz zu Verschwörungs­ideologien. Mit der Digital­expertin Katharina Nocun hat sie das Buch „Fake Facts. Wie Verschwörungs­theorien unser Denken bestimmen“ verfasst, in dem sie auch auf die Erzählungen und Mythen rund um Corona eingeht. Im Buch spricht sie bewusst von „Verschwörungs­erzählungen“ und „Verschwörungs­mythen“ – nicht von „Verschwörungs­theorien“. So will sie verdeutlichen, dass die wissenschaftliche Grundlage für die Inhalte der Verschwörungs­ideologen fehlt. © privat

Allerdings tragen soziale Medien sicher dazu bei, dass Verschwörungs­erzählungen sich international verbreiten. Mein Eindruck ist, dass soziale Medien im Kontext der Pandemie ihre gesellschaftlichen Aufgaben verstärkt wahrnehmen. Sie schränken beispiels­weise die Weiterleitungen von Nachrichten mit Verschwörungs­erzählungen ein oder versehen Videos mit Warn­hinweisen. Das ist sicherlich gut und sinn­voll.

Wie kann ein Jugendlicher, eine Jugendliche reagieren, wenn er oder sie mit Verschwörungs­erzählungen konfrontiert wird?
Bei einer Person, die man nicht persönlich kennt, kann man Links zu Fakten­wissen unter die Verschwörungs­erzählung posten. Dadurch bekehrt man sicher nicht den Verbreiter oder die Verbreiterin, ermöglicht anderen Leserinnen und Lesern aber eine Einordnung.

Wenn es jemand aus dem eigenen Umfeld ist, kann man sich zunächst fragen, welche Funktion der Verschwörungs­glaube für die jeweilige Person einnimmt. Braucht sie gerade Feind­bilder, weil sie unsicher oder unzufrieden ist? Geht es um Ängste?

Wenn jemand Corona als reale Bedrohung bestreitet, kann es sein, dass die Person eine Umgangs­strategie benötigt, da sie andern­falls von Ängsten über­mannt werden würde.

Solche Überlegungen eröffnen Ansatzpunkte für ein Gespräch, das man vielleicht auch mit Unter­stützung von Eltern oder Pädagogen führen kann. Eine Grenze beim Verständnis ist sicher erreicht, wenn die Verschwörungs­erzählungen menschen­feindliche Inhalte transportieren.

Bei Rassismus oder Sexismus sollte man immer Stellung beziehen?
Ja. Einerseits schon. Wobei man auch nicht vergessen darf, dass Verschwörungs­ideologen teilweise sehr aggressiv im Netz unterwegs sind, und bei aller Gegenrede ist anderer­seits der persönliche Schutz insbesondere für Kinder und Jugendliche wichtig.

Seinen eigenen Account nicht jedem öffentlich zugänglich zu machen ist sicher ein erster Schritt. Und Menschen, die frag­würdige Inhalte posten, kann man einfach blockieren.

Facebook gegen Fake News

Seit dem Ausbruch der Pandemie unterstützt Facebook die Arbeit der globalen Gesund­heits­organisationen und setzt sich mit neuen, genau auf die Situation abgestimmten Regeln gegen die Verbreitung von Falsch­meldungen rund um das Virus ein. Facebook verweist auf verlässliche Informationen der Welt­gesundheits­organisation (WHO) oder hier in Deutschland auf das Bundes­ministerium für Gesundheit. Tages­aktuelle Updates aus der eigenen Region gibt es unter https://www.facebook.com/coronavirus_info

Nachdem deren Benachrichtigungs­service auf WhatsApp mehr als zwölf Millionen Menschen erreicht hat, hat die WHO im April einen inter­aktiven Dienst auf dem Facebook-Messenger gestartet. Dort werden Fragen der Bevölkerung rund um das Virus auf direktem Weg beantwortet. Außerdem werden so jederzeit vertrauens­würdige und aktuelle Informationen zur Verfügung gestellt. Weiter­führende Informationen:
https://about.fb.com/de/news/2020/05/sicherheitsmassnahmen-und-informationen-zum-coronavirus/

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