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Sebastian Schmidt: nicht nur bei YouTube

Viele Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern fragen sich, wie es nach den Herbst­ferien an den Schulen weitergeht. Findet der Präsenz­unterricht wie gewohnt statt? Und welche Erfahrungen aus der pandemie­bedingten Schul­schließung im Frühjahr sind besonders wertvoll? Ein Gespräch mit Sebastian Schmidt, Mathe­lehrer und Träger des Deutschen Lehrerpreises 2019.

Mädchen sitzt vor iPad
© shutterstock

Herr Schmidt, Sie produzieren seit 2013 Erklärvideos, die Schüler sich über YouTube zu Hause anschauen. Was wollen Sie damit erreichen?
Hinter meiner Idee des „Flipped Classroom“, des „umgedrehten Klassen­zimmers“, steht der Wunsch, meine Schüler*innen noch individueller betreuen zu können. Die Jugendlichen schauen sich meine Mathe-Videos im besten Fall nachmittags an und vertiefen damit Wissen aus dem gemeinsamen Unterricht am Vormittag. Offene Fragen können wir dann in der nächsten Stunde aufgreifen.

Wie hat das während des Lockdowns funktioniert?
Die Präsenzphase ist für den „Flipped Classroom“ extrem wichtig – und die ist mir, genau wie allen anderen, weg­gebrochen. Für den Digital­unterricht habe ich einen daten­schutz­sparsamen Messenger-Dienst eingerichtet, der Klasse darüber jeden Morgen eine Sprach­nachricht geschickt, außerdem habe ich einzelne Schüler*innen angerufen oder angeschrieben und alle zur Arbeit in Klein­gruppen über Telefon- oder Video­konferenzen aufgefordert. Zur Not kann man ja auch einfach das Buch aufschlagen und zum Hörer greifen. Eine häufige Schwierigkeit war das asynchrone Arbeiten, doch die meisten Jugendlichen würden wohl sagen, dass der Digital­unterricht bei uns ganz gut geklappt hat. Ich denke allerdings schon, dass etwas weniger als während der normalen Präsenz­phase gelernt wurde.

Sebastian Schmidt Sebastian Schmidt ist Mitglied der Schul­leitung der Inge-Aicher-Scholl Realschule Neu-Ulm/Pfuhl. 2019 wurde er mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet. © Felix Amsel

Wie kann man Schüler*innen digital zur Selbstständig­keit motivieren?
Das ist ein schwieriges Thema! In der Schule schaue ich einem Schüler über die Schulter und gebe ihm nach zehn Minuten ein Feedback. Zu Hause kann ich das nicht, da muss ich mich auf das Ergebnis verlassen. Und natürlich wünscht man sich als Pädagoge, dass die Jugendlichen aus freien Stücken mitmachen. Command and Control – Befehlen und Kontrollieren – sind verhasste Begriffe und eher nicht die Marsch­route. Insbesondere beim Digital­unterricht muss meiner Erfahrung nach die Selbst­ständig­keit manchmal erzwungen werden. Wenn mir aufgefallen ist, dass jemand bei der Gruppen­arbeit aussteigt, habe ich angerufen und ihn ein bisschen zusammen­gestaucht. Sobald die Schülerinnen und Schüler selbst­ständig werden, bin ich außerdem der Erste, der mehr Freiheiten gewährt. Das ist bestimmt eine Perspektive, die motiviert.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf mögliche Schul­schließungen in Herbst und Winter?
Jetzt wissen wir ja, wie es geht. Als problematisch erlebe ich allerdings, dass die Schere unter den Lehrenden so weit aus­einander­gegangen ist. Es sind, einerseits, Expert*innen aus dem Boden geschossen, die jetzt digital medien­kompetent unterrichten. Bei anderen ist der Garten gemacht.

Was würden Sie denjenigen raten, die sich bislang weniger mit digitalen Tools für den Unterricht auseinander­gesetzt haben?
Die Ministerien der jeweiligen Bundeslands stellen auf ihren Internet­seiten verschiedene kostenlose Angebote, unter anderem zur Weiter­bildung, zur Verfügung. Dann sind Formate wie die „ZEIT für Lehrer Unconference“ extrem hilfreich – dort gab es sehr viele Impulse aus der Praxis, die nun auch online abrufbar sind.

Fantastisch ist auch das „Twitterlehrerzimmer“, wo sich Kolleg*innen über Fächer-, Schulart- und Ländergrenzen hinweg vernetzen und gegen­seitig unterstützen.

Vielleicht gibt es im Kollegium auch jemanden, der sein Wissen teilt. Ich selbst habe inzwischen 14 Erklärvideos für die Lehrkräfte an meiner Schule erstellt mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen für digitale Tools.

Und denjenigen, die bereits unter Hochdruck gearbeitet haben, rate ich, ein bisschen Dampf raus­zu­nehmen. Man muss nicht 24 Stunden sieben Tage lang die Woche arbeiten – am besten vernetzt und ergänzt man nicht. Und: Wir Lehrende sind auch nur Menschen. Aber jetzt, wo alle Welt auf uns guckt, haben wir die Riesenchance, zu zeigen, was wir können.

Kostenfreies E-Learning-Paket

Als Lehrkraft erhalten Sie kostenfreien Zugriff auf ein E-Learning-Paket zu den Themen von „ZEIT für Lehrer – digital Unconference“: „Achtsamkeit & Resilienz“, „Digital & analog“, „Old School, New School“, „Cybermobbing“ und „Desinformation, Fake News“. Das video­basierte Lernmaterial ist praxis­orientiert, mit Tipps für mögliche Problem­situationen im Schulalltag sowie weiter­führenden Materialien.

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