Die Suche im Internet

Wer suchet, der findet – sofern er die passenden Werkzeuge und Abzweigungen im Netz kennt. Neben den gängigen großen Suchmaschinen bieten Metasuchmaschinen, Webkataloge, Portale oder Archive gute Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung. Wie man die Suche im Netz effizient strukturiert, welchen Suchergebnisse man nicht blind trauen sollte und warum es notwendig ist, stets mehrere Informationsquellen zu nutzen. Eine Anleitung zur erfolgreichen Online-Suche.

Eine Frau sucht etwas auf Google
© pixabay

Aufbau einer Suche

Vorbereitung

Klarmachen sollte man sich zunächst, wonach genau man sucht, denn bereits die erste Anfrage wird zu einer Fülle teils spannender Hinweise führen, die einen leicht vom eigentlichen Ziel abbringen können. Es ist also vorab zu überlegen, welche Suchbegriffe am besten passen und welche Synonyme vielleicht infrage kommen. Geht es um die Auseinandersetzung Bismarcks mit der katholischen Kirche unter Papst Pius IX., kann etwa das Suchwort „Kulturkampf“ weiterführen. Zur Vorbereitung der Suche kann eine Vorsuche gehören, etwa ein Blick auf den Wikipedia-Eintrag zu Bismarck. Damit sollte man sich keineswegs begnügen, aber so lassen sich weitere Suchbegriffe gewinnen. Wer wissen will, auf welch unlautere Weise Bismarck im Jahr 1870 Napoleon III. zur Kriegserklärung gegen Preußen verleitet hat, sollte beispielsweise nach „Emser Depesche“ suchen. Das reduziert die Trefferzahl schon erheblich auf 13 300. Interessiert man sich für das Zusammentreffen des französischen Botschafters Vincent Benedetti mit dem preußischen König Wilhelm I. in Bad Ems – dabei wurde die berühmte Forderung gestellt, die Bismarck später „angeschärft“ (man darf auch sagen: zurechtgelogen) in die Öffentlichkeit brachte –, kann noch „Kurpromenade“ hinzugefügt werden. Dann bleiben nur 506 Treffer übrig. Zuletzt gilt es, zu überlegen, ob bestimmte Institutionen auf das jeweilige Thema spezia­lisiert sind und deshalb verlässliches Wissen liefern. Gute erste Adressen für Informationen und Originaldokumente zur preußischen Geschichte wären etwa die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Onlinesammlung documentarchiv.de, bei Google Books zu findende Geschichtsbücher oder gut recherchierte Zeitungsartikel.

Die Suche selbst

Google ist ein ziemlich potentes Rechercheinstrument und der Informationsfülle einigermaßen gewachsen. Wir setzen es aber zumeist nur sehr unterkomplex ein. Die häufigsten Suchbegriffe in den Jahren 2011 bis 2015 waren in Deutschland „Minecraft“, „EM 2012“, „Wahlomat“, „WM 2014“ und „Sonnenfinsternis“. Das Geheimnis einer erfolgreichen Suche besteht aber in der klugen Kombination von Suchbegriffen (im Plural) und Suchwerkzeugen. Ersteres begrenzt die Ergebnisse, was sehr sinnvoll sein kann, aber möglicherweise über wichtige Funde hinwegsehen lässt. Deshalb gilt es, mehrere Anläufe zu unternehmen und dabei mit den Suchbegriffen zu „spielen“. Gibt man die Suchbegriffe einfach in die Maske ein, führt man automatisch eine Und-Suche durch, erhält also sämtliche Seiten, die alle aufgeführten Begriffe an beliebiger Stelle enthalten. Sinnvoller ist es, die Booleschen Operatoren (UND, ODER, NICHT …) gezielt einzusetzen oder die Suchmaske „Erweiterte Suche“ zu nutzen: So kann man etwa nach kompletten Wortgruppen suchen (diese „einfach in Anführungszeichen“ schreiben), nach aktuellen Seiten oder nach Seiten, die bestimmte Begriffe enthalten, bestimmte andere aber nicht. Es gibt übrigens noch viele weitere Suchwerkzeuge neben Google, wie das nächste Kapitel vor Augen führt. Metasuchmaschinen nutzen dabei gleich mehrere Suchmaschinen parallel. Außerdem können Webkataloge, Portale und Archive bei der Informationsbeschaffung gezielt herangezogen werden. Spannende Seiten sollte man abspeichern (in der Regel: unter den „Favoriten“ ablegen). Es schadet nicht, sich gleich Notizen dazu zu machen. Das kann einem viel Zeit ersparen bei der Durchsicht der Ergebnisse.

Auswertung

Zwei Fragen sind hier zu beantworten: Wie genau passen die gefundenen Informationen zu der eigentlichen Frage? Und wie verlässlich sind sie? Es ist stets gut, offizielle und politisch-weltanschaulich neutrale Seiten zu bevorzugen, die für ihre Inhalte bürgen oder aufgrund des Pressekodex zur Sorgfalt angehalten sind. Man sollte Informationen – zumal den eher erstaunlichen – nie blind vertrauen, sondern immer nach einer zweiten und dritten Quelle suchen, die erkennbar nicht mit der ersten zusammenhängen. Wenn eine Internetseite in den Suchmaschinenergebnissen weit oben gelistet wird, ist sie populär, aber noch nicht unbedingt verlässlich. Vorsicht ist geboten bei werbefinanzierten Ergebnissen (nicht immer als „sponsored link“ gekennzeichnet). Diese müssen nicht unseriös sein, aber hier hat jemand ganz klar ein Geschäftsinteresse. Eine erste Einschätzung macht meist schon die Domain/URL möglich. Wenn man etwa über das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat recherchiert, erhält man unter anderem folgende Ergebnisse:

Man kann davon ausgehen, dass der zweite wie der dritte Treffer interessengebundener sind als der erste, der eine journalistisch aufbereitete Information enthält. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist denn auch von der Gefährlichkeit des Unkrautvernichters überzeugt und kämpft für ein Verbot. Der Bauernverband hält mit einer eigenen Petition dagegen, weil seine Mitglieder mit dem Einsatz des infrage stehenden Mittels gute Erträge erzielen. Die divergenten Einschätzungen können sich jeweils auf die Forschung berufen, denn zu jeder Studie, die die Gesundheitsgefahr von Glyphosat belegt, gibt es eine Studie, die das Gegenteil behauptet. Das ist verwirrend. Im Zeitungsdossier wird die Studienlage daher insgesamt dargelegt – und zugleich analysiert, wie sie zustande gekommen ist.

Kritisch sein sollte man bei nutzergenerierten Informationen. Diese können hilfreiche Hinweise für die weitere Recherche enthalten. Aber es ist keineswegs gesagt, dass sie auch stimmen. Bei privaten Websites oder Blogs ist also zunächst die Glaubwürdigkeit einzuschätzen: Gibt es ein Impressum oder Pressestimmen? Wird die Seite aktualisiert? Machen die Inhalte einen gut recherchierten und ausgewogenen Eindruck? Was sagen andere Nutzer? Diese Vorsicht gilt auch für Wikipedia-Einträge, denn die Online-Enzyklopädie, obwohl oft zuverlässig, ist nicht von Fachleuten redigiert worden und prinzipiell offen für eine Okkupation durch Interessengruppen. Noch fataler ist es, wenn man Instanzen aufsitzt, die ihre wahre Gesinnung hinter zustimmungsfähigen Slogans, Witzen, Umfragen oder Beiträgen verbergen. Das kommt mitunter in Sozialen Netzwerken vor (diese sind für Themenrecherchen überhaupt nur bedingt geeignet). Bei Facebook sind schon mehrere Seiten gegen Kindesmissbrauch aufgefallen, die eigentlich eine rechtsradikale Agenda hatten. Auch Scientology war hier schon in Verkleidung unterwegs („Jugend für Menschenrechte“). Zustimmung allein ist kein Seriositätskriterium. So bekam die Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv, die offen den Holocaust verharmloste und gegen Flüchtlinge hetzte („vergewaltigen systematisch unsere Frauen und Kinder“), zwei Millionen Likes, bis sie im Mai 2016 endlich gesperrt wurde.

Suchwerkzeuge

Suchmaschinen

Das am häufigsten verwendete Suchwerkzeug ist sicherlich eine Suchmaschine. Hier gibt es keineswegs nur Google, auch wenn in Deutschland laut den Messungen von seo-united.de, einem Anbieter für Suchmaschinenoptimierung, knapp 95 Prozent der Anfragen über diesen Anbieter laufen (Marktanteil: 90 Prozent). Deshalb ist auch die Suchmaschinenoptimierung meist auf Google zugeschnitten: Kommerzielle Anbieter von Informationen versuchen durch solche Maßnahmen, häufig innerhalb der ersten Einträge zu rangieren. Der größte Google-Konkurrent ist die Suchmaschine Bing, die Microsoft seit 2009 anbietet. Sie wird zwar hierzulande nur von rund 4 Prozent der Internetnutzer eingesetzt, aber ihre Bedeutung wächst. In den USA liegt ihr Marktanteil laut comscore.com Anfang 2016 bereits bei 21 Prozent (Google: 64 Prozent; Yahoo: 12,5 Prozent). Schon eine kleine Auswahl der im Jahre 2016 in Deutschland neben Google und Bing genutzten, teils in Webportale integrierten Suchmaschinen kann eine Vorstellung von ihrer Vielfalt vermitteln: Apollo7, Benefind, Blinkx, Blinde Kuh, CC Suche, Deusu, DuckDuckGo, Ecosia, Facebook Search, Fastbot, FindSounds, Fire­ball, Flickr, FragFinn, Helles-Koepfchen, Hotbot, Ixquick, MetaGer, Metaspinner, Open Hub, Qwant, Semager, Social Mention, StartPage, Suche.info, TinEye, Unbubble, Werliefertwas, Wolfram|Alpha, YaCy, Yahoo! und Yasni. Manche der Genannten sind Metasuchmaschinen, so etwa ­MetaGer, Apollo7 oder Unbubble. Andere wie Ecosia oder Benefind spenden Werbeeinnahmen an gemeinnützige Einrichtungen. Es gibt auch speziell auf Kinder zugeschnittene Suchmaschinen wie Blinde Kuh oder FragFinn. Bei YaCy handelt es sich um eine dezentral operierende Peer-to-Peer-Suchmaschine, bei der die Ergebnisse von allen anderen YaCy-Nutzern stammen. TinEye sucht alle Seiten heraus, auf denen ein bestimmtes Bild vorkommt (was die Google-Bildersuche freilich auch kann). Man sollte diese Suchmaschinen zumindest zum Spaß einmal ausprobieren.

Webkataloge

Webkataloge sind katalogisierte Sammlungen von thematisch sortierten Webadressen, die oftmals auch kurze Inhaltsangaben liefern. Die Einträge der meisten Webkataloge werden manuell erstellt, also von Redakteuren geprüft und kommentiert. Da ihre Erstellung aufwendig ist, sind Webkataloge meist nicht allzu umfangreich und heute in einigen Fällen eher werblich (allesklar.de, bellnet.de). Die englischen Begriffe für Webkataloge sind „directory“, „subject tree“ oder „subject catalog(ue)“. Webkataloge gibt es zu Fremdsprachen, einzelnen Wissenschaften, Politik und Wirtschaft, Berufen und vielen anderen Themen. Allerdings können Webkataloge mit der Informationsflut nur schwer mithalten. Nicht alle werden noch gepflegt. Dafür steht auch der Bedeutungsverfall des einst wichtigen Open Directory Projects (ODP/DMOZ). Dieses von Freiwilligen gepflegte internationale Verzeichnis für hochwertige Websites (über vier Millionen Einträge, Motto: „Humans do it better“) wurde auch von Google herangezogen, um das Ranking einer Seite zu bestimmen. Seit 2011 greift Google immer weniger auf ODP/DMOZ zurück und vertraut mehr auf seine Algorithmen. Andere Webkataloge strafen Suchmaschinen sogar regelrecht ab, weil nicht ganz zu Unrecht unterstellt wird, ihre Existenz diene einzig der Einflussnahme auf Suchmaschinenalgorithmen.

Portale

Viele Websites werden „Portale“ genannt, auch wenn sie im strengen Sinne keine sind. Portale in engerer Definition sind spezielle Einstiegsseiten, die als erster Anlaufpunkt für den Aufenthalt oder das Surfen im Netz dienen. Technisch ausgedrückt, werden dabei Anwendungen, Prozesse und Dienste integriert. Typische Werkzeuge sind spezielle Suchdienste, redaktionelle Tippsammlungen, Zugriff auf Nachschlagewerke und wissenschaftliche Infodienste. Zumeist bieten Portale auch Kommunikationsdienste an: E-Mail-Clients, Foren oder Chats. Eine zentrale Eigenschaft von Portalen ist die Personalisierung. Die Nutzer können festlegen, welche Inhalte sie vornehmlich angezeigt bekommen wollen. Die ersten dieser Portale wurden in den späten neunziger Jahren von Internetdienstanbietern wie Yahoo, AOL, Lycos oder der Telekom geschaffen. Inhaltlich hochwertige Portale, zu denen auch viele Presse­portale gehören (zeit.de, sueddeutsche.de, faz.net und viele mehr), zeichnen sich durch einen großen Anteil an selbst erstellten und regelmäßig aktualisierten Inhalten aus. Eine Recherche zu einem bestimmten Thema, etwa für ein Referat, sollte nicht nur innerhalb eines Portals stattfinden, doch es kann sich durchaus lohnen, die speziellen Suchfunktionen einzelner Nachrichtenportale zu nutzen, weil man so auch Artikel findet, zu denen eine allgemeine Google-Suche nicht führt.

Experten und Archive

Experten-Communitys – etwa im IT-Bereich – beruhen in der Regel auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Man stellt sein Wissen zur Verfügung und erhält Unterstützung von Kollegen. Es haben sich in vielen Bereichen auch Foren erhalten, in denen Spezialisten interessierten Laien helfen. Man weiß freilich nie, wie fundiert eine Antwort ist. Solche Foren könnten bald ersetzt werden durch die semantische und intuitive Suche (Web 3.0), die sich laut Verband der Internetwirtschaft (eco) bis zum Jahr 2020 durchgesetzt haben soll. Bedeutsam für eine Recherche können auch Archive sein, deren Inhalte man oft nicht bei Google findet. Der ersten Orientierung dient: worldwidearchives.de.

Arbeitsanregungen:

Basisaufgaben

1. Strategien für eine Internetsuche visualisieren

Plenumsaufgabe / Gruppenaufgabe: Erstellen Sie eine Mindmap, die wichtige Kriterien und Arbeitsschritte einer Internetsuche abbildet: Vorbereitung der Suche, die Suche selbst, die Ergebnisauswertung und die Suchwerkzeuge.

2. Die Aussagekraft von URL-Adressen überprüfen
a) Gruppenaufgabe: Geben Sie in Partnerarbeit ein Stichwort zu einem Thema, über das aktuell kontrovers debattiert wird, in eine Suchmaschine ein. Kopieren Sie fünf Links, von denen Sie glauben, allein aufgrund der Adresse Aussagen über den Inhalt treffen zu können (wie im Fallbeispiel „Glyphosat“): seriös/unseriös, objektiv/interessengeleitet (welches Interesse vermutlich?), Werbung/Information, Pro-/Kontra-Haltung.

b) Gruppenaufgabe: Überprüfen Sie in einem zweiten Schritt, ob sich Ihre These bewahrheitet, indem Sie den Link öffnen und die entsprechende Internetseite lesen. Halten Sie die Ergebnisse und die Trefferquote fest.

Weiterführende Aufgaben

1. Ergebnisse einer Suchmaschinenrecherche analysieren und bewerten
a) Gruppenaufgabe: Wiederholen Sie in Partnerarbeit die im Text erwähnte Google-Recherche mit dem Suchbegriff „Bismarck“. Bewerten Sie die ersten zehn Suchergebnisse nach folgenden Kriterien, und begründen Sie Ihre Einschätzung:

  • Wie hilfreich sind die Seiten für eine Hausarbeit zum Thema „Bismarck und der Kulturkampf“?
  • Wie ist die Neutralität/Objektivität der Seiten (Weltanschauung/Werbung) jeweils einzuschätzen?
  • Ist eine für Hausarbeiten ausreichende Seriosität der einzelnen Ergebnisse gegeben?
  • Überwiegen Medienartikel, Seiten von Forschungsinstitutionen, User-generierte Inhalte oder Werbung?
  • Wie viele kommerzielle Angebote sind unter den Suchergebnissen? Sind diese klar erkennbar?

b) Gruppenaufgabe: Wiederholen Sie Ihre Recherche mit drei anderen Suchmaschinen. Skizzieren Sie, worin sich die Ergebnisse von denen der Google-Suche unterscheiden, und beurteilen Sie, welche der Suchmaschinen für eine Hausarbeitsrecherche am besten geeignet ist.

c) Gruppenaufgabe: Recherchieren Sie weiter zu diesem Thema mithilfe weiterer Suchstrategien und Begriffskombinationen, bis Sie eine Linkliste mit zehn Websites erstellen können, die Ihnen genügend Informationen für eine Hausarbeit liefern. Protokollieren Sie, welche Suchstrategien die wertvollsten Ergebnisse geliefert haben.

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