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Cybermobbing: Hilfe, ich werde schikaniert!

Wer im Internet gemobbt wird, leidet rund um die Uhr. Viele Schüler haben damit bereits Erfahrung gemacht – als Täter, Opfer oder beides. Genauso werden Lehrkräfte immer wieder Ziel­scheibe von Mobbing. Doch es gibt Möglichkeiten, der Schikane im Internet etwas entgegen zu setzen, sagt Peter Sommerhalter vom Bündnis gegen Cyber­mobbing.

© Getty Images

Herr Sommerhalter, was sind die Unterschiede zwischen Cyber­mobbing und Mobbing?
Cybermobbing erweitert die Facetten von Mobbing im echten Leben über einen neuen Raum – den virtuellen Raum. Das heißt, wenn ich früher auf dem Schulhof gemobbt wurde, konnte ich den Tätern aus dem Weg gehen, indem ich etwa mit einem anderen Bus zur Schule gefahren bin. Beim Cyber­mobbing ist man den Angriffen jeder­zeit schutz­los aus­geliefert. Auch wenn ich nachts um drei Uhr im Bett liege und gar nichts tue, kann ich Ziel­scheibe einer Attacke werden. Wache ich dann morgens auf, checke meine Emails oder lese Kommentare in den sozialen Netz­werken, ist das Gefühl der Ohnmacht besonders groß.

Wer sind die Opfer?
Ich spreche nicht gerne von Opfern, sondern lieber von Cybermobbing-Zielen. Zu so einer Ziel­scheibe kann jeder werden und in jedem Alter. Tatsächlich aber werden die Betroffenen immer jünger. Das liegt daran, dass inzwischen auch an Grund­schulen Smartphones an der Tages­ordnung sind und Cybermobbing sich vor allem über Messenager­dienste und soziale Netz­werke verbreitet.

Wie schaffe ich es, möglichst wenig in die Opfer­rolle zu rutschen bei einer Cyber­mobbing-Attacke?
Die oberste Prämisse ist, nicht zu reagieren. Klar: Wenn ein Pfeil auf einen zuschießt, ist bei vielen Menschen der wohl erste Impuls, ihn abzuwehren. Ein Schild aus­zu­fahren oder zurück­zu­schießen. In unseren Präventions­kursen an Schulen bringen wir den Menschen aber bei, die Perspektive zu wechseln und einen Schritt zur Seite zu treten. Lass’ den Pfeil an Dir vorbei­fliegen, wenn es geht! Natürlich gibt es Situationen, in denen das nicht funktioniert. Aber grund­sätzlich ist unsere Empfehlung, auf einen Angriff nicht mit Gegen­wehr zu reagieren und die Täter in den sozialen Netz­werken möglichst zu blockieren. Dann gilt es sich Hilfe zu holen. Man kann sich an die Betreiber des sozialen Netz­werks wenden. An Kollegen, Vorgesetzte, andere Vertrauens­personen oder auch die Polizei. Wobei sich die Täter manchmal in Grau­zonen bewegen, die sich strafrechtlich nicht verfolgen lassen und die für die Betroffenen trotzdem großes Leid bedeuten.

Peter Sommerhalter
ist seit 2017 Leiter für Prävention und Medienberatung beim Bündnis gegen Cybermobbing e.V. in Karlsruhe. Außerdem arbeitet er seit vielen Jahren als frei­beruflicher Referent zum Thema „neue Medien“. Als Vater dreier Kinder und ehemaliger Schul­eltern­sprecher kennt er die Bedürfnisse, Sorgen und Ängste von Lehrenden und Eltern sehr gut.

Wie häufig werden Lehrende Zielscheibe von Mobbing?
In Zahlen lässt sich das meines Wissens nach bislang nicht genau ausdrücken. Ich kenne aber zahlreiche Lehr­kräfte, die Mobbing erlebt haben. Die Täter stammen aus den Reihen der Schüler, aus dem Kollegen­kreis, manchmal sind es auch Eltern, die WhatsApp-Gruppen mit Titeln wie „Der darf unsere Kinder nicht mehr unterrichten“ gründen. Auch das ist Cybermobing.

Was raten Sie einer Lehrkraft, die Angriff einer Mobbing-Attacke wird?
Ich würde jedem Arbeitnehmer, insbesondere einem Lehrer, empfehlen, Öffentlichkeit beim Arbeit­geber her­zu­stellen. Hierzu ein echtes Beispiel: Ein Lehrer findet bei Instagram in Zusammen­hang mit seiner Schule eine Seite mit dem Titel „Beichten“. Jemand behauptet dort anonym als Beichte, besagter Lehrer habe ein Verhältnis mit einer bestimmten Schülerin. Deshalb bekomme sie immer so gute Noten. Der Lehrer wird namentlich genannt. Der Lehrer hat sich an uns gewandt, bevor er mit irgend­jemand anderem darüber gesprochen hat, und er war zuerst erschrocken, als wir ihm rieten, zum Schulleiter zu gehen und die Kollegen ein­zu­weihen. Weil das Scham­gefühl trotz Unschuld natürlich immens ist. Er befürchtete, dass sich die vermeintliche Beichte als Gerücht in den Köpfen der Kollegen und Eltern fest­setzt, wenn man ihr zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Aber wenn man nichts unternimmt, lebt man als Betroffener in permanenter Angst, und irgendwann wird das Cyber­mobbing doch öffentlich. Das ist der Moment, in dem sich alle fragen, warum man als Betroffener so lange geschwiegen hat. Hat man am Ende doch etwas zu verbergen? Es ist wirklich wichtig, sich frühzeitig Unter­stützung zu holen und Maßnahmen zu ergreifen. Wohl jeder Kollege wird mit Verständnis reagieren. Schließlich könnte er oder sie selbst Zielscheibe eines Cyber­mobbing-Angriffs werden.

Sollte der Lehrer die Attacke auch vor der Klasse thematisieren?
Das hängt vom Einzelfall ab. Im Fall unseres Beispiels konnten wir anhand von verschiedenen Anhaltspunkten Rück­schlüsse auf die Identität des Täters ziehen. Wir haben dann in seiner Klasse eine Präventions­veranstaltung abgehalten und das Thema Instagram/ Beichtseiten besprochen. Wir haben klar gestellt, dass es sich bei der Verleumdung im Internet um eine Straftat handelt. Das hat dann dazu geführt, dass die Beichtseite aus dem Internet verschwunden ist. Die jungen Leute haben die richtige Entscheidung getroffen, bevor die Polizei ihre Arbeit aufgenommen hat.

Kann es sein, dass manchen Mobbern gar nicht klar ist, was sie tun?
Man kann natürlich Empathie bei Menschen wecken, denen wirklich nicht klar war, was sie da tun. Bei allen anderen greift diese Pädagogik leider nicht. Wir haben in unseren Studien nach­gewiesen, dass die Cyber­mobbing-Attacken in den vergangenen Jahren immer intensiver und ziel­gerichteter geworden sind. Vor einigen Jahren hat man vielleicht jemandem auf einem Foto eine Pinocchio-Nase gemalt. Heute streamen die Täter live von der Umkleidedusche ins Internet und versehen die Über­tragung mit Kommentaren wie: „Schaut euch mal den Wabbelarsch an“. Die Täter wissen in solchen Fällen ganz genau, wie schlimm das ist. Sie rechnen damit, sie wollen das Leid ja provozieren. Später lautet die Pauschal­entschuldigung, man habe nur Spaß gemacht. Aber das stimmt meistens nicht. Da müssen wirklich ganz klare Regeln aufgestellt und Konsequenzen gezogen werden.

Wo können sich Lehrkräfte Hilfe holen?
Wir vom Bündnis gegen Cybermobbing sind bundes­weit und in Österreich unterwegs. Wir halten Präventionskurse an den Schulen ab, für deren Teilnahme wir ein Zertifikat verleihen. In der Praxis sieht das so aus, dass wir einmal im Jahr in die fünften Klassen mit einem Impuls­vortrag kommen. Danach arbeiten die Lehr­kräfte mit den Schülern – nicht zuletzt, damit die Pädagoginnen und Pädagogen sich als Teil der Klassengemeinschaft begreifen. Als Abschluss präsentieren die Schüler die Ergebnisse ihrer Arbeit auf einem Elternabend in Form von Rollen­spielen oder am Flipchart. Für die Schüler ist es eine gute Vertiefung ihres Wissens, und erfahrungs­gemäß nehmen an solchen Veranstaltungen mehr Eltern teil, als wenn wir sie zu einem Vortrag über Cybermobbing einladen. Außerdem hat die Schule ein Jahr lang einen Anspruch auf eine kostenlose Beratungs­hotline zu uns. Die Lehrkräfte können anrufen, wenn beispiels­weise ein Kettenbrief über WhatsApp im Umlauf ist und sie unsicher sind, wie sie damit umgehen sollen. Oder auch bei ganz konkreten Fällen. Wenn beispiels­weise Tom erzählt, dass Lisa fertig gemacht wird. Da geben wir gerne Tipps und beraten. Außerdem vermitteln wir Ansprech­partner bei der Polizei und zu Rechts­anwalts­kanzleien. In Zeiten von Corona können sich Lehr­kräfte selbst­verständlich auch über unsere Webinare fortbilden.

Kostenfreies E-Learning-Paket

Als Lehrkraft erhalten Sie kostenfreien Zugriff auf ein E-Learning-Paket zu den Themen von „ZEIT für Lehrer – digital Unconference“: „Achtsamkeit & Resilienz“, „Digital & analog“, „Old School, New School“, „Cybermobbing“ und „Desinformation, Fake News“. Das video­basierte Lernmaterial ist praxis­orientiert, mit Tipps für mögliche Problem­situationen im Schulalltag sowie weiter­führenden Materialien.

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