Dies ist eine Anzeigenveröffentlichung der Initiative der Hochschulen in Sachsen-Anhalt

Wir müssen reden

Im Studium geht es neben der Schulung fachlicher Kompetenzen auch um Persönlich­keits­entwicklung. Eine Studien­beraterin erzählt, wie wichtig dafür der persönliche Kontakt zu Lehrenden ist – und wie Studierende von einem guten Betreuungs­schlüssel profitieren.

Eine junge Studentin in der Bibliothek
© becca tapert/Unsplash

Um für den späteren Start ins Berufs­leben vorbereitet zu sein, bilden Studierende an der Hoch­schule fachliche Kompetenzen aus und vertiefen Interessen­schwer­punkte. Doch Wissen allein ist nicht alles. In der Diskussion mit anderen, durch (Selbst-)Organisation und Kooperation in der Gruppe schulen Studierende auch soziale und persönliche Fähig­keiten. Kurz: Sie entwickeln sich in ihrer Persönlich­keit weiter. Dass sie diesen Effekt wahr­nehmen, ergab eine Umfrage des Bundes­ministeriums für Bildung und Forschung zur Studien­situation und studentischen Orientierungen an Universitäten und Fach­hoch­schulen im Winter­semester 2015/2016. Demnach bestätigten 79 bis 84 Prozent der Studierenden, hoch­schulisch in ihrer Persönlich­keits­entwicklung gefördert worden zu sein. Betrachtet man die zeitliche Entwicklung, so heißt es in der Aus­wertung zur Um­frage, stagnieren die Werte im Vergleich zu 2004 aller­dings. Dabei kann eine starke Persönlich­keit im Bewerbungs­prozess um einen Job am Ende ähnlich wichtig sein, wie es gute Leistungen im Studium sind – einen Ansatz, den auch „Wirklich weiter­kommen“, eine Initiative der Hoch­schulen in Sachsen-Anhalt, verfolgt.

Dr. Petra Kabisch, Studienberaterin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, erzählt dass viele Student­innen und Studenten, die zu ihr in die Beratung kommen, den persönlichen Faktor unter­schätzen. „Viele lesen Job­aus­schreibungen und meinen, dass sie die Anforderungen niemals erfüllen. Sie sind ein­ge­schüchtert und vergessen darüber, dass die eigene Persönlich­keit nicht nur über ihre Noten definiert wird, sondern von vielen Kompetenzen, die im Studium erworben wurden und zur Lösung von Problemen befähigen“, sagt sie. Die Studierenden haderten damit, womöglich nicht gut genug für die Gesellschaft zu sein oder etwas falsch zu machen. Für manche steht allein fachliches Lernen im Fokus – was fatal sein kann. „Auf der Jagd nach guten Noten treibt sie das Gefühl um, in einem Hamster­rad zu stecken“, sagt Kabisch. Am Ende trage natürlich auch die Bewältigung der hohen akademischen Anforderungen zur persönlichen Entwicklung bei, gibt sie zu. Für Studierende sei es jedoch genauso wichtig, über den Teller­rand ihres jeweiligen Studien­faches zu schauen und jen­seits allen fachlichen Lernens die Hoch­schule als Entwicklungs­raum zu nutzen. „An Fakultäten gibt es Fach­schaften mit Projekt­gruppen, in denen sich Studierende aus­probieren können. Daneben gibt es zahl­reiche Möglichkeiten, sich politisch oder sozial zu engagieren. Außer­halb des Faches Erfolge zu sammeln, ist ungemein wichtig“, so die Studien­beraterin. „Man lernt im Austausch mit anderen, Heraus­forderungen und Konflikte zu bewältigen, sich zu behaupten“, erklärt sie. „Das positive Selbst­wert­gefühl, das Studierende daraus ziehen können, ist am Ende auch gut für das fachliche Studium.“ Man gehe zum Beispiel viel positiver an eine Klausur heran, wenn man in anderen Feldern schon oft erlebt habe, schwierige Situationen meistern zu können.

Studierende haben häufig das Problem, dass sie die Lehrkräfte auf einen Sockel heben. Gefühlt sind das dann unerreichbare Personen, die man auf keinen Fall ansprechen kann.
Dr. Petra Kabisch, Studienberaterin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Als besonders wichtig, um Unsicher­heiten innerhalb des Faches souverän zu begegnen, sieht sie auch den persönlichen Kontakt zu den Lehrenden. „Studierende haben jedoch häufig das Problem, dass sie die Lehrkräfte auf einen Sockel heben. Gefühlt sind das dann unerreichbare Personen, die man auf keinen Fall ansprechen kann“, erzählt Petra Kabisch. „Dabei sind ProfessorInnen und andere Lehr­kräfte Menschen, die ihr Fach aus Leidenschaft gewählt und deshalb auch ein Interesse daran haben, es den Studierenden oder SchülerInnen näher zu bringen. Letztere sollten sich also ruhig häufiger trauen, in Kontakt zu treten, Fragen zu stellen, Problemlösungen zu diskutieren.“ Umgekehrt ist es aus ihrer Sicht förderlich, wenn Lehrende explizite Angebote zum Austausch machen. „Zum Beispiel, indem sie ihre Veranstaltung ein paar Minuten früher beenden, mit dem Stuhl näher rücken und ganz direkt zum Gespräch einladen.“ Eine Basis dafür kann ein guter Betreuungs­schlüssel sein, wie ihn neben der Otto-von-Guericke-Universität auch alle weiteren an der Initiative „Wirklich weiterkommen“ beteiligten Hochschulen haben. Dann sei in der Regel mehr Zeit vorhanden, um entsprechende Angebote machen zu können, so Kabisch. Gespräche auf Augen­höhe, je nach Anlass auch über gesell­schaftliche und private Themen, sind es am Ende, die ihrer Einschätzung nach Ängste abbauen können. Wer durch den Aus­tausch fest­stellt, dass eine Dozentin oder ein Dozent genauso wie man selbst ein Leben außerhalb der Uni hat, Hobbys pflegt und in seiner Forschung davon profitiert, wenn Studierende neue Gedanken einbringen, traut sich eher, Lehrende anzusprechen und um Unter­stützung zu bitten. „Bei einer Hausarbeit holt man sich dann fachliche Rück­versicherung und erlebt im besten Fall durch ein positives Feedback einen Motivationsschub. Auf jeden Fall fühlt man sich mehr ernst genommen und stärker abgeholt“, erklärt Kabisch. Allgemein könne man sagen, dass ein guter Kontakt zu Lehrenden auf der Seite der Studierenden meist zu Arbeits­erleichterung und einer freieren Entfaltung führt. Oder anders: „Ohne Angst und Hemmungen im Bauch lernt es sich einfach besser.“

Ob noch während der Orientierungs­phase in der Schule oder schon während des Studiums: Eltern und Lehrenden rät Studien­beraterin Dr. Petra Kabisch, die von ihnen betreuten jungen Menschen grundsätzlich darin zu bestärken, den Weg zu gehen, den sie gehen wollen. „Man sollte immer spiegeln: ‚Du schaffst das! Und selbst wenn nicht: Ich stehe hinter dir!’“, sagt sie. Viele hätten große Angst davor, das eigene Umfeld zu enttäuschen. „Diese Angst kann man als Eltern­teil oder Lehr­kraft nehmen, indem man Unterstützung anbietet – egal, was passiert.“ Geht es darum, Schüler­innen und Schüler beziehungsweise die eigenen Kinder auf die Studien­zeit vorzu­bereiten, können Lehr­kräfte und Eltern noch weitere Vorarbeit leisten. „Hilfreich ist es Schüler zu ermuntern, ihnen Mut zu machen, sie in ihren Interessen zu bestärken oder vielleicht auch gemeinsam heraus zu finden, was sie interessieren könnte – zum Beispiel, indem man in der Klasse auch mal Raum für persönlichen Austausch gibt“, so Kabisch. Und in Krisen­situationen? „Dann ist ein guter erster Schritt immer, den Blick mit gezielten Fragen auf das Positive zu lenken: Was hat man schon geschafft? Was sind die eigenen Stärken? Es ist oft mehr, als man denkt!“

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