Wer wählt welchen Beruf?

Wie viele Berufe es in Deutschland gibt, weiß niemand genau. Allein 328 Ausbildungs­berufe im dualen System sind gegenwärtig staatlich anerkannt. Daneben existieren schulische und nicht staatlich anerkannte Ausbildungs­berufe, darunter so bekannte wie Pilot oder Hebamme. Geradezu unüberschaubar groß ist die Zahl der Akademiker­berufe. Diese passen sich permanent den Bedürfnissen der Arbeits­welt an. Insofern zielen die meisten Hochschul­ausbildungen auch nicht auf bestimmte Beruf ab, obwohl die immer spezifischer zugeschnittenen Studiengänge diesen Eindruck erwecken können.

Ein Künstler bei der Arbeit
© pexels

Man sollte hier einfach seinen Interessen und Begabungen folgen. Den Rest erledigt dann ohnehin der Arbeits­markt. Es ist aber sicher nicht von Nachteil, sich von der Masse der Absolventen abzuheben. Dazu kann eine originelle Spezialisierung schon in der Ausbildung dienen. Wem es am wichtigsten ist, viel zu verdienen, der sollte einen Beruf wählen, in dem die Aufstiegs­chancen gut sind. Zu den best­bezahlten Berufen in Deutschland gehören der Arztberuf (ein Oberarzt verdient bis zu 150 000 Euro im Jahr, ein Chefarzt bis zu 500 000 Euro im Jahr), der Anwalts­beruf (Juristen in internationalen Wirtschaftskanzleien verdienen bis zu mehrere Hunderttausend Euro im Jahr) und natürlich der Managerberuf (Geschäftsführer und Vorstände verdienen, abhängig von der Größe des Unternehmens, bis zu mehrere Millionen Euro im Jahr). Aber auch Chemiker, Fonds­manager, Ingenieure, IT- und Vertriebs­experten steigen schnell auf und werden über­durch­schnittlich bezahlt. Generell sind die Verdienst­aussichten bei technischen und natur­wissenschaftlichen Berufen sehr gut, zumal der Fachkräfte­mangel noch nicht einmal seinen Höhepunkt erreicht hat.

Männer- und Frauenberufe

Das Geschlechterverhältnis der Erwerbstätigen ist in Deutschland heute fast ausgeglichen: Mehr als 46 Prozent aller Berufstätigen sind Frauen. Allerdings arbeiten sie oft in Teilzeit und verdienen im Schnitt pro Stunde etwa 22 Prozent weniger als Männer. Auch die Berufe, die Männer und Frauen präferieren, unterscheiden sich deutlich. Eine der größten Männerdomänen – über 95 Prozent – ist der Hochbau. Auch Bergleute, Berufs­kraftfahrer, Schreiner, Bäcker, Ingenieure, Chemiker, Physiker und Mathematiker sowie Lager- und Transport­arbeiter sind mit sehr großer Mehrheit männlich. Elektroberufe werden ebenfalls in deutlich überwiegender Zahl von Männern ausgeübt. Dagegen arbeiten in hauswirtschaftlichen, in sozialen und in Gesundheits­dienst­berufen fast ausschließlich Frauen: als Kranken­schwestern, Sprechstunden­helferinnen, medizinisch-technische Assistentinnen sowie Erzieherinnen und Alten­pflegerinnen. Frauen überwiegen auch in Unternehmens­organisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung.

Allerdings tut sich etwas. Im April 2016 hat das Bundesinstitut für Berufsbildung 105 typische Männerberufe untersucht und festgestellt, dass in 80 von ihnen der Anteil weiblicher Auszubildender seit 2004 gestiegen ist. Dieser Anstieg beträgt zwar durchschnittlich nur zwei Prozent, aber der Trend scheint ein langfristiger zu sein. Im Untersuchungs­zeitraum sind vor allem viele neue Bäckerinnen (plus 7,7 Prozent), Malerinnen/Lackiererinnen (plus 6,5 Prozent) und Tischlerinnen (plus 5 Prozent) hinzugekommen. Der Anteil von Männern in typischen Frauen­berufen ist im selben Zeitraum nicht gestiegen.

Tops und Flops

Welche Berufe sind die besten? Das amerikanische Karriereportal CareerCast.com erstellt jährlich ein Ranking für zweihundert beliebte Jobs. Dabei werden die vier Kategorien Arbeits­bedingungen, Einkommen, Aussichten und Stressfaktor berücksichtigt. Im Jahr 2016 ist der Versicherungs­mathematiker erneut auf dem ersten Platz gelandet, gefolgt vom Statistiker und dem Sicherheits­informatiker. In Mathematik aufzupassen lohnt sich also offenbar. Seit einigen Jahren letzt­platziert ist der Zeitungs­reporter: einst ein Traumjob, aber unsicher, schlecht bezahlt und im Ansehen gesunken. Das gilt auch für kaum besser platzierte Medienberufe in Radio und Fernsehen. Nur der Holzfäller hat im Ranking ähnlich schlecht abgeschnitten. Auf Deutschland ist das nur in Maßen übertragbar.

Deutsche Job-Hitlisten sind meist auf Ausbildungs­berufe beschränkt. Dabei stehen die Büro­kauffrau und der Kraftfahrzeug­mechatroniker an der Spitze der Beliebtheit. Bei den Akademiker­berufen kann allenfalls die Beliebtheit bestimmter Studienfächer gemessen werden. Hier ist seit Jahren und mit großem Abstand die Betriebswirtschaftslehre (BWL) führend. Sie steht bei beiden Geschlechtern auf dem ersten Platz. Im Wintersemester 2014/15 – neuere Zahlen für einzelne Fächer gibt es noch nicht – studierten insgesamt 231 787 Personen BWL; Platz 2: Maschinenbau (119 102 Studierende); Platz 3: Jura (109 605); Platz 4: Informatik (94 916); Platz 5: Wirtschafts­wissenschaften (90 748); Platz 6: Medizin (87 863); Platz 7: Germanistik/Deutsch (78 092); Platz 8: Elektrotechnik/Elektronik (69 732), gefolgt von Psychologie, Erziehungswissenschaft, Wirtschaftsingenieurwesen und Mathematik. Die Geistes­wissenschaften steigen seit einigen Jahren in der Beliebtheit ab. In der Top Ten der Männer kommen sie gar nicht mehr vor, allerdings sind Germanistik und Anglistik bei den Frauen nach wie vor beliebt, die damit vor allem Deutsch- und Englisch­lehrerinnen werden.

Arbeitsanregungen

1. Welche Berufe sind für Sie Traumberufe? Notieren Sie je fünf Traumberufe sowie Ihr Geschlecht auf einen Zettel, und erstellen Sie daraus im Klassenverband eine Ranking-Liste. Diskutieren Sie die Reihenfolge.
Lassen sich Tendenzen nach Geschlecht ausmachen?

2. Erstellen Sie Ihren eigenen Praxis-Check. Suchen Sie sich Vertreter der in Ihrer eigenen Ranking-Liste (siehe Frage 1) führenden Berufe, und stellen Sie ihnen folgende fünf Fragen:

  • Ist Ihr Beruf für Sie ein Traumberuf?
  • Wie kompliziert ist es, Ihren Beruf zu erlernen?
  • Was ist das Beste an diesem Beruf?
  • Verdient man sich „eine goldene Nase“?
  • Können Sie jungen Menschen heute raten, diesen Beruf zu ergreifen?

Tragen Sie die Antworten im Klassenverband zusammen.

3. Traumberuf Lehrer? Hier haben Sie die Fachfrau oder den Fachmann direkt vor sich. Diskutieren Sie mit Ihrer Lehrerin/Ihrem Lehrer die Vor- und Nachteile dieses Berufs. Machen Sie danach unter bw-cct.de/selbsttest.php einen Selbsttest für Lehramtsinteressierte. Tragen Sie die Ergebnisse im Klassenverband zusammen.

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