Neuauflage des Spitzen­forschung-Wettbewerbs

Die Anspannung wächst von Woche zu Woche – bei den Wissen­schaftlerinnen und Wissen­schaftlern und bei uns im Präsidium“, sagt die Präsidentin der Georg-August-Uni­versität Göttingen, Ulrike Beisiegel. Denn die älteste und größte Hoch­schule Nieder­sachsens beteiligt sich als eine von 63 Universitäten bundes­weit an der Exzellenz­strategie, dem Wett­bewerb um Spitzen­förderung von Bund und Ländern. Am 28. September wird ein Experten­gremium verkünden, welche Uni­versitäten weiter­hin im Rennen sind.

Eine Frau und ein Mann bei der Arbeit mit einer Drohne
© istock/gorodenkoff

Die Exzellenzstrategie ist das Förder­programm in der Nachvfolge der 2006 gestarteten Exzellenz­initiative. Sie will die Spitzen­forschung in Deutschland durch die beiden Förder­linien Exzellenz­cluster und Exzellenz­uni­versitäten unter­stützen. In den Exzellenz­clustern forschen hoch­rangige Wissen­schaftler gemeinsam an einem Thema. Als Exzellenz- oder Elite­uni­versitäten gelten seit 2006 Uni­versitäten, die Mittel aus der Förder­linie Zukunfts­konzepte erhalten. Künftig muss eine Hoch­schule mindestens zwei Forschungs­cluster­an­träge erfolg­reich durch­bringen, im Verbund sind es drei, um einen Antrag im Bereich Exzellenz­uni­versität stellen zu können.

Für die Cluster haben die Universitäten Anfang April zunächst Antrags­skizzen bei der Deutschen Forschungs­gemein­schaft (DFG) in Bonn ein­gereicht. Ende September wird veröffentlicht, für welche Cluster die Hoch­schulen Voll­anträge zur Förderung schreiben dürfen. Der Zuschlag über die Förderung wird dann ein Jahr später im September 2018 erteilt. Von den insgesamt 195 Antrags­skizzen bei der DFG stammen sechs von Wissen­schaftler­innen und Wissen­schaftlern der Georg-August-Universität Göttingen. „Wir knüpfen an Forschungs­schwer­punkte in den Natur- und Lebens­wissen­schaften, den Geistes- und Sozial­wissen­schaften sowie den Forst- und Agrar­wissen­schaften am Göttingen Campus an“, sagt Präsidentin Beisiegel. Sie und ihre Mit­arbeiter haben sich ent­schlossen, die Themen der Antrags­skizzen weit­gehend transparent zu machen. So geht es um Religions­wissen­schaften, Primaten­kognition sowie Funktionelle Prinzipien lebender Materie und Physik in der Medizin.

Hinzu kommen ein Forschungs­verbund der Agrar- und Forst­wissen­schaften zum Thema nach­haltige Land­nutzung sowie Forschung zum Thema Aufklärung, in der sich Theologen, Philosophen und Sozial­wissen­schaftler zusammen­getan haben. Die Universität Göttingen musste zwar, genau wie die in Freiburg und Karls­ruhe, 2012 ihren Status als Elite­universität ab­geben, ist aber zuversichtlich, in der neuen Förder­runde zu über­zeugen. „Damals war für uns wichtig, dass unser Konzept un­ein­geschränkt und auch inter­national positiv beurteilt wurde“, sagt Hoch­schul­managerin Beisiegel. „Wir haben deshalb unseren Weg mit geschärftem Profil weiter fort­gesetzt.“

Es ist faszinierend, wie sich Forschungs­vor­haben von Ideen zu viel­versprechenden Skizzen entwickelt haben.
Dieter Lenzen, Universität Hamburg

Auch die Universität Hamburg gibt einen Einblick in die Themen ihrer fünf Antrags­skizzen. In dem „Cluster Climate, Climatic Change and Society“ geht es um die Frage, wie es möglich ist, die Erd­erwärmung auf zwei Grad oder 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Forscher des Clusters „Quantum Univers“ hingegen wollen neue Erkenntnisse über Masse und Gravitation gewinnen und beschäftigen sich mit der Physik des Urknalls. Das einzige geistes­wissen­schaftliche Projekt der Uni­versität Hamburg stammt aus der Manus­kript­forschung. Es befasst sich mit dem Verhältnis von Mensch und Schrift und untersucht das Phänomen des Schreibens aus einer globalen Perspektive von den Anfängen bis ins digitale Zeitalter. „Es ist faszinierend, wie sich Forschungs­vor­haben von Ideen zu viel­versprechenden Skizzen entwickelt haben“, sagt Dieter Lenzen, der Präsident der Universität Hamburg. „Daher sind wir mit einem guten Gefühl in den Wett­bewerb gegangen und gespannt auf das Urteil der Deutschen Forschungs­gemeinschaft.“ Andere Universitäten geben sich zurück­haltender. „Schließlich befinden wir uns in einem Wett­bewerb“, stellt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Georg Krausch, klar. Seine Universität nimmt mit sieben Antrags­skizzen an der Förder­linie Exzellenz­cluster teil, davon drei gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und eine zusammen mit der Technischen Universität Kaiserslautern.

Exzellenz­cluster und Elite­universitäten

Auch die Freie Universität Berlin übt sich in Zurück­haltung. Die Präsidentin der Humboldt-Universität, die Präsidenten der Technischen Universität und der Freien Universität sowie der Vorstands­vorsitzende der Charité haben sich darauf verständigt, grund­sätzlich eine gemeinsame Antrags­initiative im Rahmen der Exzellenz­strategie des Bundes und der Länder zu verfolgen. „Im laufenden Verfahren haben wir uns aber entschlossen, den gemeinsamen Antrag der Hoch­schulen nicht weiter zu kommentieren“, erklärt FU-Präsident Peter-André Alt.

Wohl alle Universitäten setzen in der neuen Förder­runde auf die Kontinuität der vorhandenen Forschungs­schwer­punkte. Der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wurde in den ersten Förder­runden die Exzellenz Graduierten­schule Materials Science in Mainz (MAINZ) bewilligt sowie 2012 der Exzellenz­cluster „Precision Physics, Fundamental Inter­actions and Structure of Matter (PRISMA)“. Am Cluster beschäftigen sich die Forscher mit den Gebieten Astro­teilchen-, Hoch­energie- und Hadronen­physik, Kern­chemie sowie der Präzisions­physik mit ultra­kalten Neutronen und Ionen­fallen. Außer­dem bauen sie den Teilchen­beschleuniger MESA, der mit seinem Konzept der Energie­rück­gewinnung welt­weit eine Pionier­rolle in der Beschleuniger­techno­logie ein­nehmen wird. „Von der Exzellenz­strategie versprechen wir uns, unsere Kompetenzen weiter aus­zu­bauen“, fasst der Präsident und Physiker Krausch zusammen. „Wir wollen die inter­nationale Konkurrenz­fähigkeit und Attraktivität unserer Hoch­schule erhöhen sowie weiter­hin exzellente Wissen­schaftler anwerben.“

Bewerbungen im Verbund sind möglich

Die Entscheidung über die Exzellenz­cluster ist zugleich eine der wesentlichen Grund­lagen für den Wett­bewerb in der zweiten Förder­linie, den Exzellenz­universitäten, die der Wissen­schafts­rat durch­führt: Universitäten mit einer genügenden Anzahl an Exzellenz­clustern können im Dezember 2018 Anträge für Exzellenz­universitäten abgeben. Über sie wird nach erfolgten Begutachtungen im Sommer 2019 entschieden.

In Deutschland gibt es mehr als 430 Hoch­schulen und davon 108 Universitäten. Elf sollen künftig zur Elite gehören. Von dem Förder­programm profitiert folglich nur eine Hand­voll Bildungs­ein­richtungen. „Die neue Förder­linie ermöglicht Bewerbungen im Verbund. Wenn drei große Berliner Uni­versitäten zusammen­gehen, wird es für kleinere Hoch­schulen auf dem Land eine deutliche Heraus­forderung, sich zu behaupten“, stellt Ulrike Beisiegel heraus. Die Biochemikerin begrüßt die Neuauflage des Wettbewerbs um die Spitzenforschung in Deutsch­land dennoch. „Die Differenziert­heit des Hoch­schul­systems wird gefördert. Und die­jenigen, die den Elite-Status erhalten, haben einen Wett­bewerbs­vorteil, der auch spür­bar zu einem inter­nationalen Renommee führt“, sagt sie. Auch für Georg Krausch von der Universität Mainz über­wiegen die Vor­teile: „Es ist inzwischen Common Sense, dass der Wettbewerb eine Menge an den Hoch­schulen bewegt“, sagt er. Was die Exzellenz­strategie weiter­hin bringen wird, wird die Zukunft zeigen.

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