Kleine Schritte, große Ziele

Wissenschaftliche Exzellenz wird groß geschrieben im Deutschen Zentrum für Luft- und Raum­fahrt (DLR). Aber was versteht man eigentlich unter diesem Schlag­wort, das oft inflationär gebraucht wird? Dr. Florian David vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation in Ober­pfaffen­hofen erklärt, was wissen­schaftliche Exzellenz für ihn ausmacht und wie man als Führungs­kraft exzellente Leistungen fördert.

Dr. Florian David, stellvertretender Direktor des DLR-Instituts für Kommunikation und Navigation
Dr. Florian David hat Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU München studiert und ein wirtschaftswissenschaftliches Aufbaustudium an der Fernuniversität Hagen abgeschlossen. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat er 2004 über Laserkommunikation promoviert. Seit 2008 ist er als stellvertretender Direktor des DLR-Instituts für Kommunikation und Navigation damit befasst, die Voraussetzungen für exzellente wissenschaftliche Arbeit zu schaffen. © DLR/Enno Kapitza

Was bedeutet „wissenschaftliche Exzellenz“ heute?

Eine allgemein akzeptierte Definition von Exzellenz gibt es nicht. Letztlich geht es um herausragende wissen­schaftliche Qualität und über­durch­schnittlichen Erkenntnis­gewinn. Wenn man sich eine Forschungs­frage stellt, kann man aller­dings kaum vorher­sehen, wie ein exzellentes Ergebnis aus­sehen sollte. Meist können dies Fach­expertinnen und -experten nur im Nach­hinein beurteilen. Aus meiner Sicht ist Exzellenz daher mehr ein Weg als ein Ziel: Es geht darum, tag­täglich höchste Ansprüche an sich selbst zu stellen, eigene Ergebnisse immer wieder zu hinter­fragen und niemals schon auf halber Strecke zufrieden zu sein.

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Gibt es noch die ganz großen Durch­brüche in Forschung und Wissen­schaft?

Der technologische und gesellschaftliche Wandel ist heute so schnell wie nie zuvor. Künftige Techno­logien werden uns sicherlich ganz neue, heute noch nicht vor­stell­bare Welten eröffnen. Dahinter steckt aber oftmals nicht der einzelne, ganz große Durch­bruch und auch nicht der einzelne, geniale Mensch. Es ist eher die Summe vieler kleiner Schritte und die Kreativität vieler kluger Köpfe, die sich aus­tauschen und kooperieren – über nationale Grenzen und oft über die Grenzen von Disziplinen hinweg. Jedes kleine Ergebnis trägt zum Fort­schritt bei und führt in Summe zu immer kürzeren Innovations­zyklen. Den ganz großen Durch­bruch von Einzelnen schließe ich trotzdem nicht aus.

Was braucht man für exzellente Forschung, wie sie im DLR betrieben wird?

Wir suchen vor allem sehr gut ausgebildete Mit­arbeiter­innen und Mit­arbeiter, die das passende Mindset mitbringen. Junge Menschen fördern und fordern wir konsequent, binden sie früh­zeitig in unsere Projekt­arbeit ein und gewähren ihnen viele Frei­räume, damit sie sich wissen­schaftlich entfalten können. Ganz wichtig ist zudem ein institutionalisierter kritischer Diskurs, der sich nicht an Hierarchien orientiert, sondern immer nach der besten Idee sucht. Dabei profitieren wir von der Vielfalt unserer Mit­arbeitenden hin­sichtlich Alter, Geschlechter, Herkunft, Kompetenzen und Erfahrungen. In den letzten Jahren haben Mit­arbeitende und Studierende aus über 50 Nationen am Institut geforscht – eine Zahl, auf die wir durchaus stolz sind. Darüber hinaus geht es im Wissen­schafts­management darum, Rahmen­bedingungen zu schaffen, unter denen Exzellenz gedeihen kann. Wir bestärken unsere Mit­arbeitenden zum Beispiel, nicht nur Nahe­liegendes zu verfolgen, sondern auch Risiken einzugehen. In der Forschung müssen wir genau dorthin gehen, wo die Unsicher­heit am größten ist. Wenn wir vorab fast nichts über den Ausgang einer Untersuchung, eines Experiments oder einer Mess­kampagne wissen, dann ist der potenzielle Erkenntnis­gewinn am höchsten – ebenso wie das Risiko für einen Fehlschlag.

Was zeichnet die Menschen in der Spitzen­forschung aus?

Im Fall unseres Instituts ist dies sicherlich die Begeisterung für Luft- und Raum­fahrt und für unsere Themen im Bereich der Kommunikation und Navigation. Dazu kommt die Freude daran, Neues auszuprobieren, Kenntnisse zu erweitern, innovative Systeme zu konzipieren und bis zur Anwendung zu führen. Auch der Wille, mit der eigenen Arbeit dem gesellschaftlichen Fortschritt zu dienen, spielt häufig eine Rolle. Heraus­ragende Wissen­schaftler­innen und Wissen­schaftler gehen jeden Tag mit großer Freude und Motivation an die Lösung komplizierter Frage­stellungen heran.

Wie erreichen Sie Exzellenz in den Projekten Ihres Instituts?

Vor allem fokussieren wir uns auf unsere Stärken. Viele Fragestellungen sind allerdings nur durch die Bündelung unter­schiedlicher Kompetenzen erfolgreich zu bewältigen, daher kooperieren wir eng mit Expertinnen und Experten angrenzender Themen­felder. Wir achten stets darauf, schon in der Planungs­phase die kritische Prüfung des Erreichten anzulegen und Raum für die Identifizierung von Verbesserungs­potenzialen zu schaffen. Ganz wichtig ist dabei eine vertrauens­volle Zusammen­arbeit, die offenes Feed­back und das Lernen voneinander erst ermöglicht. Unsere Projekt­ergebnisse veröffentlichen wir häufig in wissen­schaftlichen Zeit­schriften mit externem Review. Das zwingt dazu, Erreichtes zu systematisieren, erneut zu durchdenken und mögliche Schwach­stellen aufzudecken.

Welche Faktoren spielen noch eine besondere Rolle?

Wir möchten mit unseren Arbeiten einen Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Heraus­forderungen leisten. Daher spielt der Transfer in die Anwendung eine wichtige Rolle. Dazu verlassen wir immer wieder die rein wissen­schaftliche Arbeit, implementieren unsere Lösungen, testen sie im realen Umfeld und weisen ihre Funktions­fähig­keit nach. Entsprechend streben wir als ingenieur­wissen­schaftliche Einrichtung ein exzellentes Engineering an, weil wir den Anspruch haben, dass der Anschluss an die industrielle Entwicklung gelingt. Unser Exzellenz­anspruch erfordert außerdem, dass wir Führungs­prozesse und Infra­strukturen laufend weiter­entwickeln, schließlich sind sie die Basis für heraus­ragende wissen­schaftliche Ergebnisse. Auch hier gilt: Exzellenz ist das Ergebnis vieler kleiner Schritte!

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