Exzellent an die Spitze

Ohne wissenschaftlichen Nachwuchs lässt sich die Spitzen­forschung nicht vor­an­treiben. Deshalb unter­stützt die Exzellenz­strategie junge Forscher und Forscherinnen auf ihrem akademischen Weg. Künftig jedoch entfällt ein wichtiges Förder­mittel, sagt Erika Kothe, Biologie-Professorin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Vor­sitzende des Universitätsverbandes zur Qualifizierung des wissen­schaftlichen Nach­wuchses in Deutsch­land (UniWiND).

Zwei WisenschaftlerInnen im Labor
© istock/sanjeri

Was hat die Exzellenzinitiative für den wissen­schaftlichen Nach­wuchs bis­lang er­reicht?
Die Exzellenzinitiative hat unglaublich viel für die Wissen­schaft getan. Diesen Weg wird die neue Exzellenz­strategie sicher­lich fort­setzen – auch durch Programme wie die 1.000 Tenure-Track-Professuren, die der Bund ab 2017 finanziert, und die für eine frühere wissenschaftliche Selbst­ständig­keit und bessere Plan­barkeit der akademischen Karriere sorgen. Aber die wohl beste Errungenschaft der ersten Förder­linie waren die Graduierten­schulen, also die Ein­richtungen im Hoch­schul­bereich für die Förderung des wissen­schaftlichen Nach­wuchs.

Inwiefern? Bundesweit hat die Deutsche Forschungs­gemeinschaft ungefähr 45 Graduierten­schulen mit jährlich einer Million Euro finanziert.
Die Promovierenden und Post­docs übernehmen einen beachtlichen Anteil der Lehr- und Forschungs­leistungen einer Hoch­schule, sie sind zentral für die Forschungs­stärke der Universität. Anderer­seits sind diese Nachwuchs­wissen­schaftlerinnen und -wissen­schaftler oft­mals auf sich allein gestellt. Hier haben die Graduierten­schulen Abhilfe geleistet. Sie haben beiden Gruppen zur Sicht­bar­keit verholfen und ihnen einen strukturellen Rahmen gegeben. Außerdem haben die Graduierten­schulen den Nach­wuchs­wissen­schaftler­innen und -wissen­schaftlern neben der finanziellen Unter­stützung eine Platt­form des Aus­tauschs geboten.

Finanzierungsstopp der Graduiertenschulen

Im vergangenen Jahr haben Bund und Länder den Finanzierungs­stopp für die Graduierten­schulen im Rahmen der Exzellenz­strategie beschlossen.
Ja – es gibt keine Graduierten­schulen mehr! An der Exzellenz­strategie kritisiere ich genau das: dass sie aus­gerechnet das Modell, das die größten Änderungen im Hoch­schul­system bewirkt hat, aussetzt. Die An­nahme, die Ziele seien erreicht, finde ich sehr gefährlich.

Als Vorstand von UniWiND haben Sie einen Überblick über bundes­weit mehr als 50 Hoch­schulen. Was wird der Finanzierungs­stopp bedeuten?
Wir beobachten bei Uni-WiND, dass die Universitäten, die übergreifende Graduierten­ein­richtungen aus Mitteln der Exzellenz­initiative auf­gebaut haben, nun eher dazu neigen, Personal abzubauen. Dennoch wird es nicht so sein, dass die entstandenen Graduierten­akademien alle abgeschafft werden. Aber die Universitäten müssen die Mittel für deren Unter­halt bereit­stellen – und das ist schwierig. Vor allem aber bedeutet der Finanzierungs­stopp die Abschaffung eines offiziellen Rahmens, der für die Gruppen der Promovierenden und Postdocs eine institutionelle Verankerung bietet.

Kaum weibliche Vorbilder in der Wissenschaft

Ihre Hochschule hat in der Exzellenz­initiative eine Graduierten­schule ein­geworben. Was machen Sie für den wissen­schaftlichen Nach­wuchs?
Hier wurde bereits 2006 ein Vize­präsidium für den wissen­schaftlichen Nach­wuchs eingerichtet und die Jenaer Graduierten-Akademie gegründet. Dadurch wurde das Thema sowohl institutionell verankert als auch ein Rahmen für viel­fältige Unter­stützungs­leistungen geschaffen. Außer­dem haben wir ein Haus für den wissen­schaftlichen Nach­wuchs gegründet, das von der Mercator-Stiftung gefördert wurde, um allen Promovierenden und Post­docs eine Anlauf­stelle und einen Ort des Aus­tauschs zu geben.

Sie selbst haben an der Universität Marburg Biologie studiert und dort anschließend promoviert. Stand für Sie immer fest, dass Sie in der Wissen­schaft bleiben wollen?
Ich hatte das Glück, dass mir mein damaliger Chef vor­geschlagen hat, mit einem eigenen Thema aus der Pilz­genetik in die USA und die Niederlande zu gehen. Bei meiner Rück­kehr wartete eine C1-Stelle auf mich. Das war ein unglaublich gutes Angebot. Dennoch kenne ich durchaus die Situation der Un­sicher­heit, die mit einer wissen­schaftlichen Karriere verbunden ist. Daran hat sich, insbesondere für Nach­wuchswissen­schaftler­innen, die gleich­zeitig eine Familie gründen möchten, kaum etwas geändert. Für die Verein­bar­keit von Beruf und Familie gibt es leider immer noch viel zu wenige weibliche Vor­bilder in der Wissen­schaft.

Plan B und gute Mentoring-Programme helfen

Was raten Sie heute jemandem, der eine Karriere in der Wissen­schaft anstrebt?
Es ist schade, wenn Nach­wuchs­wissen­schaftler­innen und –wissen­schaftler die Idee des Verbleibs in den Wissen­schaften aufgrund prekärer Verhältnisse von Anfang an ausschließen. Deshalb ermutige ich diejenigen, die Spaß an der Forschung haben, zu einer akademischen Karriere. Aller­dings ist es gut, als Alter­native einen Plan B im Hinter­kopf zu haben. Und auch die Teil­nahme an einem der Mentoring-Programme, insbesondere für weibliche Post­docs, lohnt sich.

X

Sie verwenden einen sehr alten Browser.

Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser.
Aktuelle Browser finden Sie hier