Innovativ und inter­disziplinär – Spitzen­forschung „Made in NRW“

Mit zwei Elite-Universitäten, zehn Exzellenz­clustern und fünf Graduierten­schulen ist NRW erfolg­reichstes Bundes­land bei der Exzellenz­initiative und liegt auch bei den renommierten Sonder­forschungs­bereichen bundes­weit an der Spitze. Doch was genau macht Spitzen­forschung so erfolgreich?

Der DLR Projektträger mit Hauptsitz in Bonn hat 2017 rund 10.000 wissenschaftliche Vorhaben in den Bereichen Bildung, Gesellschaft, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Umwelt sowie europäische und internationale Zusammenarbeit betreut und Forschungsgelder von mehr als einer Milliarde Euro bewirtschaftet.
Der DLR Projektträger mit Hauptsitz in Bonn hat 2017 rund 10.000 wissenschaftliche Vorhaben in den Bereichen Bildung, Gesellschaft, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Umwelt sowie europäische und internationale Zusammenarbeit betreut und Forschungsgelder von mehr als einer Milliarde Euro bewirtschaftet. © DLR

Klare Sache: Es sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. In NRW finden sie ganz offensichtlich ein gedeihliches Forschungs­klima. Mehrere Dutzend Hochschulen und außer­universitäre Forschungs­einrichtungen haben dort ihren Sitz – darunter zwölf Max-Planck-Institute, 14 Fraunhofer-Institute, drei Fraunhofer-Anwendungszentren, zehn Leibniz-Institute sowie drei Forschungs­zentren der Helmholtz-Gemeinschaft und ein Helmholtz-Institut in Münster. Hinzu kommen 15 Institute der Johannes-Rau-Forschungs­gemeinschaft und weitere vom Land NRW geförderte Netz­werke.

Diese Fülle an wissenschaftlichen Einrichtungen hat ihren Preis: Insgesamt 4,6 Mrd. Euro haben Bund und Länder von 2006 bis 2017 allein für die Exzellenz­initiative bereit­gestellt, um den wissen­schaftlichen Nachwuchs, die Spitzen- und die universitäre Forschung zu fördern. Doch Geld ist nicht alles: Die eigentliche Kraft liegt in der Bündelung des Forschergeists in Clustern und Allianzen, in der interdisziplinären Zusammen­arbeit, die über Fach- und Hochschul­grenzen hinaus­reicht. Egal, ob in der Grund­lagen- oder anwendungs­orientierten Forschung, es geht um gesellschafts- und zukunfts­relevante Themen wie Energie, Ressourcen­effizienz, nach­haltige Mobilität, Digitalisierung, Gesund­heit und Gesellschaft – den Universitäten in NRW ist es gelungen, das eigene Profil zu schärfen und zugleich den Wissenschafts­standort zu stärken.

Zum Nutzen der Gesellschaft

Ein gutes Beispiel ist die Universität zu Köln, seit 2012 eine der beiden Exzellenz-Universitäten in NRW. „Unser Anliegen ist es, zur Lösung gesellschaftlicher Heraus­forderungen beizu­tragen. Wissen­schaftler­innen und Wissen­schaftler aus vielen Fach­bereichen der Universität zu Köln arbeiten beispiels­weise daran, die Ursachen alter­sbedingter Erkrankungen zu ent­schlüsseln und Therapien zu entwickeln. Unsere Forscher­innen und Forscher wollen in einem weiteren großen Projekt Pflanzen an veränderte Umwelt­bedingungen anpassen, um so die Ernährung von morgen zu sichern“, erklärt Professor Dr. Axel Freimuth, Rektor der Universität zu Köln. So hat sich etwa über diese Zusammen­arbeit ein weltweit einzig­artiges Zentrum für Alterns­forschung etabliert. Vom Wissens­transfer in neue klinische Therapien oder die Züchtung robuster Pflanzen profitieren Wissen­schaft und Gesellschaft. Gleiches gilt für die 15 Sonder­forschungs­bereiche. „Um unsere Stellung als führende Institution exzellenter Forschung und Lehre weiter auszubauen, haben wir etwa gerade das ‚Center for Data and Simulation Science‘ neu gegründet, das Wissen­schaftler und Daten­spezialisten zusammen­bringt, um in Zukunft mehr Gewinn aus den immensen Mengen digitaler Informationen zu ziehen“, so Freimuth weiter.

Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) leistet zusammen mit seinem Projekt­träger, der 2017 rund 10.000 Vorhaben mit 1,1 Mrd. Euro Förder­gelder betreut hat, einen unschätz­baren Beitrag zur Spitzen­forschung: „Im Jahr 2018 beginnen wir, die DLR Strategie 2030 umzusetzen. Diese zielt darauf ab, die Kern­kompetenzen des DLR in der Luft- und Raum­fahrt­forschung zu stärken, die Energie-, Verkehrs- und Sicherheits­forschung auszubauen und Synergie­potenziale zwischen den Forschungs­bereichen stärker zu nutzen“, erklärt Prof. Pascale Ehren­freund, Vorstands­vorsitzender des DLR. „Neu hinzu kommt der Quer­schnitts­bereich Digitalisierung mit interdisziplinären Projekten.“ Er umfasst derzeit acht Projekte zu den Themen „Digitalisierung in der Wirtschaft“, „Data Science“, „Cyber-Sicherheit“ und „Intelligente Mobilität“.

Innovationen für die Zukunft

Die Exzellenzuniversität RWTH Aachen wiederum strebt die zügige Umsetzung von wissen­schaftlichen Erkenntnissen in Innovationen an, die von Partnern aus der Industrie auf den Markt gebracht werden können. Wichtig ist, die Innovations­zyklen zu verkürzen und insbesondere mittel­ständische Unternehmen zu unter­stützen. Die Wissen­schaftler betreiben Grund­lagen­forschung und darauf aufbauend anwendungs­orientierte Forschung aus unter­schiedlichsten Disziplinen.

Ein Beispiel hierfür ist das neue vom Bundes­ministerium für Wirtschaft und Energie (kurz BMWi) geförderte Leucht­turm­projekt „National 5G Energy Hub“, bei dem Forschende aus dem Maschinen­bau, der Elektro- und der Kommunikations­technik den neuen 5G-Mobil­funk­standard in die konkrete Anwendung in der Energie­technik bringen wollen. Prof. Dr.-Ing. Dirk Müller, Leiter des Projekts an der RWTH Aachen, sagt hierzu: „Zusammen mit unseren Partnern von der TU Dresden, der Telekom Deutschland GmbH und Ericsson GmbH, Techem GmbH und E.ON SE wollen wir uns mit der Förderung des BMWi intensiv auf die Nutzung der nächsten Mobil­funk­generation in der Energie­technik vorbereiten. Im Rahmen der Energie­wende wird das Energie­system dezentraler, regenerativer und deutlich dynamischer. Das Konzert von Verbraucher, Erzeuger und Speichern muss durch neue Software- und Kommunikations­lösungen dirigiert werden, damit wir auch in einer Energiewelt mit geringen CO2-Emissionen zuverlässig hoch­wertige Energie­dienst­leitungen genießen können. Hier wird das Projekt ‚National 5G Energy Hub‘ einen Beitrag leisten, und nach einer Grund­lagen legenden ersten Phase wird es insbesondere mittel­ständische Unternehmen bei der Entwicklung neuer Techniken und Dienst­leistungen im Energie­bereich unter­stützen.“

Abgehoben ist Spitzenforschung daher nicht: Ihre Ergebnisse finden sich womöglich schnell im All­tag wieder – auch das mag als Erfolgs­faktor gelten.

NRW an der Spitze

  • Acht NRW-Universitäten haben es mit 19 Projekten in die Endrunde für das neue Förderprogramm der Exzellenzstrategie geschafft: die RWTH Aachen, die Universität Bielefeld, die Ruhr-Universität Bochum, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Universität zu Köln, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, die TU Dortmund und die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
  • Zwei der bundesweit zehn Alexander von Humboldt-Professuren, die höchstdotierten Forschungspreise Deutschlands, gehen 2018 nach NRW, an die RWTH Aachen.
  • 770 Millionen Euro für Spitzenforschung aus dem EU-Programm zur Forschungsförderung, „Horizont 2020“, fließen nach NRW.
  • Vier neue Graduiertenkollegs – drei an der RWTH Aachen sowie eines an der Universität zu Köln – fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft in NRW mit rund 20 Millionen Euro.
  • Am neuen Graduiertenkolleg „Human Centered Systems Security – North Rhine Westphalian Experts in Research on Digitalization (NERD NRW)“ wird künftig hochschulübergreifend zu Fragen der Digitalen Sicherheit geforscht, gefördert durch das Land NRW. Neun Hochschulen sind an NERD NRW beteiligt, Koordinator ist das Horst Görtz Institut an der Universität Bochum.

Dieser Artikel ist in „Wie wird geforscht in Nordrhein-Westfalen“, eine Sonderveröffentlichung, am 24.5.18 in DIE ZEIT erschienen.

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