Forschung kennt keine Grenzen

Ohne Wissenschaft und Forschung sind die großen gesellschaftlichen Herausforderungen nicht zu meistern. Klima­wandel und Digitalisierung verändern die ganze Welt. Demo­grafischer Wandel und Migration sind grenz­über­schreitende Themen. Kein Wunder also: Forschung darf keine Grenzen kennen. Allein in NRW gibt es Hunderte Projekte, die gemeinsam mit Universitäten und (Fach-)Hoch­schulen in den Nachbar­ländern Niederlande und Belgien betrieben werden.

Ein Tablet mit Röntgenaufnahmen
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Ein Schwergewicht der Forschung ist das Herzstück des Erwin L. Hahn Instituts (ELH), das gemeinsam von der Universität Duisburg-Essen und der Radboud-Universität im nieder­ländischen Nijmegen betrieben wird. Die Rede ist von einem Ganz­körper-Magnet­resonanz­tomographen (MRT). Damit der Riesen­magnet nur anzieht, was unter­sucht werden soll, ist er mit 420 Tonnen Stahl in den Wänden des Unter­suchungs­raums abgeschirmt. Mit 7 Tesla Feld­stärke kann der 32 Tonnen schwere Koloss ein mehr als doppelt so starkes Magnet­feld erzeugen wie herkömmliche MRT.

Vor allem aber kann der Gigant schärfere und präzisere Bilder aus dem Inneren des Menschen erzeugen als seine kleinen Verwandten: „Die Bilder zeigen viel mehr Details und exzellente Kontraste vor allem in den Weich­teilen. Das bringt nicht nur die Forschung voran, sondern künftig auch die klinische Diagnostik“, erläutert Professor Harald Quick, geschäfts­führender ELHDirektor.

Um die Ausfallsicherheit von elektronischen Komponenten geht es bei einem Projekt, an dem neben der TU Dortmund und dem Forschungs­zentrum Jülich 31 inter­nationale Partner aus Wissenschaft und Industrie beteiligt sind. Darunter auch das Forschungs­institut Flanders Make, das acht Forschungs­zentren in Belgien betreibt.

AMIBM ist eine grenzüber­schreitende Kooperation zwischen der Universität Maastricht, der RWTH Aachen und dem Fraunhofer IME, wobei das Akronym für „The Aachen-Maastricht Institute for Biobased Materials“ steht. AMIBM will mit einem inter­disziplinären Forschungs­programm neue Strategien zur nachhaltigen und wirtschaftlichen Herstellung biobasierter Materialien schaffen. So wird etwa auf dem Brightlands Chemelot Campus nördlich von Maastricht die weltweit einzig­artige „Zwei­komponenten-Nass­spinn­anlage“ für die Entwicklung von medizinischen Fasern betrieben. Mit ihr können verschiedene Eigenschaften in einer einzigen Faser kombiniert werden, zum Beispiel starke und anti­bakterielle Fasern für Implantate. Mehr als 50 Mitarbeiter der drei Kooperations­partner arbeiten an der Entwicklung nachhaltiger Materialien, auch solchen, die mithilfe von Tief­see­bakterien aus den Abfällen von mechanisch geschälten Garnelen hergestellt werden.

Forscher von vier Universitäten aus drei Länder haben ein Ziel: Individuelle Herzklappen aus dem 3D-Drucker

Gleich vier Universitäten im Dreiländereck sind an einem Forschungsprojekt beteiligt, das sich mit der Entwicklung künstlicher Herz­klappen beschäftigt: Neben dem Universitäts­klinikum Aachen auch die belgischen Universitäten Lüttich und Hasselt sowie die Universität Maastricht (Niederlande). Ihr Ziel: individuelle Herz­klappen-Prothesen aus beschichtetem biomedizinischen Polyurethan aus dem 3-D-Drucker.

Zur Unterstützung solcher grenzüberschreitenden Kooperationen hat die EU unter anderem das Förder­programm INTERREG ins Leben gerufen. Damit sollen Nach­teile der Grenz­regionen ausgeglichen werden. Forscher der nieder­ländischen Provinz Limburg, der „Region Aachen“ und aus den belgischen Provinzen Lüttich und Limburg arbeiten zum Beispiel schon seit Jahr­zehnten grenz­über­schreitend zusammen und gehören zum EU-Programm­gebiet „INTERREG Euregio Maas-Rhein“.

Digitalisierung

Diese Entwicklung ist international und nicht mehr aufzuhalten. Sie krempelt die Arbeitswelt in einem Tempo um, die die Bereitschaft zu stetiger Veränderung und lebenslangem Lernen erfordert.

Krieg und Freiheit

Die WWI in Münster beteiligt sich am EUREGIOProjekt „Die Geschichte von Krieg und Freiheit ohne Grenzen“, an der neben der Radboud Universiteit Nijmegen auch fünf Museen und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge beteiligt sind. Das Projekt soll die gemeinsame Geschichte des 20. Jahrhunderts untersuchen und museumstauglich ausarbeiten.

Unbemannte Flieger

Inspizieren, vermessen, überwachen: Die Hochschule Rhein-Waal (HSRW) erforscht neue Einsatz­bereiche für Drohnen, zum Beispiel beim Umwelt­schutz und in der Land­wirtschaft. Das Projekt gehört zur niederländisch-deutschen Hightech-Initiative SPECTORS, in der neben der Universität Twente in Enschede 30 Partner Drohnentechnologie entwickeln.

Technologietransfer

Das Oberflächenzentrum HIT der Hochschule Niederrhein in Krefeld und die Universität Maastricht entwickeln beim INTERREG-Projekt „D-NL-HIT“ gemeinsam mit diversen Partnern aus der Industrie innovative Farben, Lacke, Kleb- und Werkstoffe sowie Beschichtungen. Sie sollen vor allem dem Mittel­stand zugänglich gemacht werden.

Galaktische Magnetfelder

Wie das Magnetfeld von Galaxien entsteht, erforschen Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Groningen. Modernste, mit digitaler Technik ausgestattete Radio­teleskope ermöglichen ihnen die Entdeckung kosmischer Phänomene.

Schule der Zukunft

Welches Schulsystem ist besser? Wie aussage­kräftig sind Rankings wie die PISAStudie? Antworten rund um das Thema Schule soll das mit 3,9 Mio. Euro von der EU geförderte Projekt OCCAM der TU Dortmund in Kooperation mit Forschern auch aus den Niederlanden und Belgien liefern.

European Think Tank

Das Duesseldorf Institute for Competition Economics (DICE) der Heinricht-Heine-Universität (HHU) arbeitet bei Forschungen und Veranstaltungen zu kartell­rechtlichen Themen der grenzenlosen digitalisierten Wirtschaft regelmäßig mit „Bruegel“ zusammen, einem europäischen Thinktank in Brüssel.

Plattform für Geodaten

Das Forschungsprojekt „its4land“, an dem auch die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und die belgische Katholieke Universiteit Leuven beteiligt sind, beschäftigt sich damit, den Staaten südlich der Sahara die schnelle und kosten­günstige Registrierung nicht erfasster Land­besitz­rechte zu ermöglichen.

Europäische Integration

Um die Zukunft Europas geht es bei SIC (Social Innovation Community), einem europäischen Projekt, an der auch die TU Dortmund und die Erasmus-Universität Rotterdam beteiligt sind. Erforscht werden soziale Innovationen, zum Beispiel die Frage „Wie gelingt Integration?“.

Dieser Artikel ist in „Wie wird geforscht in Nordrhein-Westfalen“, eine Sonderveröffentlichung, am 24.5.18 in DIE ZEIT erschienen.

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