Mit wirksamen Konzepten den Struktur­wandel gestalten

Abwanderung junger Menschen und Über­alterung sind Probleme vor allem ländlicher Räume. Wie sich dieser Trend stoppen lässt, erforscht die „Innovative Hoch­schule Neu­branden­burg“ im unmittelbaren Um­feld: Das ist „Forschung im realen Leben“.

Praxisübung im Technikum Lebensmitteltechnologie am Extruder
Praxisübung im Technikum Lebensmitteltechnologie am Extruder © HS Neubrandenburg

Demografische Veränderungen ziehen nicht nur große Probleme für Infra­struktur und Da­seins­vor­sorge nach sich – sie sind auch Ansatz­punkt und Heraus­forderung für angewandte Forschung von über­regionaler Bedeutung. Ergebnisse der Hoch­schule Neu­branden­burg im Rahmen bundes­weiter Modell­vor­haben zu regionalen Strategien der Anpassung von Da­seins­vor­sorge und Mobilitäts­angeboten in ländlichen Räumen sowie zu Potenzialen von Klein­städten können daher auch in anderen Regionen vor der „eigenen Haus­tür“ um­gesetzt werden.

Als ein Wissen­schafts­zentrum im östlichen Mecklenburg-Vorpommern zwischen Berlin und Ost­see, in einer Region geprägt von Natur, Feldern sowie Seen, in der Touristen Entspannung finden, ist die Erforschung des ländlichen Raumes ein Schwer­punkt der Neu­branden­burger Hoch­schule, die dafür als „Inno­vative Hoch­schule“ gefördert wird. Mit ihrem Trans­fer­vor­haben „Hi-Region – Hoch­schule in der Region. Gemeinsam den Wandel gestalten mit Kooper­ationen, Netz­werken und Digitalisierung“ hat sich die Hoch­schule Neu­branden­burg in einem Wettbewerbs­verfahren unter 118 bundes­weiten Einzel- und Verbund­vorhaben durch­gesetzt.

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Der Rektor, Prof. Dr. Gerd Teschke, erklärt zu diesem Erfolg: „Wir wollen mit unserem Vor­haben den Weg einer regional engagierten Hoch­schule konsequent weiter­verfolgen. Unsere Ziele sind innovative und nach­haltige Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft mit­hilfe von Digitalisierung und die Entwicklung neuer Modelle für einen dialog­orientierten und reflexiven Wissens­transfer. Wir richten das Projekt auf die gesellschaftlichen Themen­felder aus, die in ländlich-peripheren Regionen relevant sind: Da­seins­vorsorge, regionale Wert­schöpfung, Land­schaft und Siedlung, Bildung und Sozial­kapital.“

Die Forschungsprojekte und Aktivitäten, die sich mit den sozialen, ökonomischen und ökologischen Folgen des Struktur­wandels beschäftigen, um Strategien und Lösungen für eine zukunfts­fähige Gesellschaft zu entwickeln, hat die Hoch­schule in ihrem Forschungs­schwer­punkt „Nach­haltiger Struktur­wandel und Umbau ländlicher Regionen“ etabliert. Gemeinsam mit den Partnern und Engagierten vor Ort geht es darum, Impulse zu geben, um Potenziale zu erkennen und mit fachlicher Unter­stützung den organisatorischen und methodischen Rahmen für Veränderungen zu schaffen.

Eine reale Vision: „Peenetal/Loitz 2030“

Michael Sack, Bürger­meister von Loitz, weiß das zu schätzen: „Die Hoch­schule ist ein sehr guter Partner für uns. Die Vision, die Stadt Loitz mit den Gemeinden Düvier, Sassen-Trantow und Görmin in puncto Wohnen und Arbeiten für die 6.000 Ein­wohner attraktiver zu machen, hat die Hoch­schule als Forschungs­auftrag verstanden. Wir haben gemeinsam die Problem­lage analysiert, die Bürger befragt, ihre Wünsche und Visionen in Zukunfts­werk­stätten mit ihnen diskutiert und sie animiert, kreativ und mutig über die Zukunft 2030 zu sprechen, zu malen, Theater zu spielen oder einen Film zu drehen.

Die Hoch­schule hat mit ihrem Blick von außen und den Ideen aus anderen Regionen im gemeinsamen Prozess eigene Projekte und Lösungen zu einer ‚Vision 2030+‘ zusammen­gefügt.“

Zum Beispiel dienstags in Loitz bei Sigrid Daus und Brigitte Wiencke vom Loitzer Heimat­verein e.V.: Die beiden Frauen trifft man tags­über oft im „Kultur­Konsum“, dem historischen Gebäude einer Loitzer Kauf­manns­familie, das sich zum Zentrum für Vereins­arbeit, Gespräche und Veranstaltungen entwickelt hat. Sie kennen die Geschichte und die Menschen ihrer Stadt. Sigrid Daus erklärt: „Sie werden heute kaum Rentner­innen und Rentner zu Gesicht bekommen. Sie sind jeden Dienstag im Freizeit­bad Greifs­wald, gehen dort schwimmen oder in die Sauna. Das sind bis zu 23 Leute, die sich in Fahr­gemein­schaften zusammen­schließen.“ Die beiden Loitzerinnen registrieren gern erstaunte Blicke, wenn sie ihre Stadt zeigen: „Unsere Kunst­galerie – wir stellen Gemälde von Künstlern der Region auf den Fenster­flächen aus. Eine hier ansässige Werbe­agentur unter­stützt uns bei diesem Projekt, um leer stehende Häuser zu verschönern.“

Und noch eine Idee fällt durch das große Plakat an einem der Schau­fenster auf. Der Optiker Thomas Krakau lädt mit dem von ihm gegründeten Winzer­verein zum Ball ein. „Sehr beliebt. Da sollte man sich recht­zeitig Karten besorgen“, meint Bürger­meister Michael Sack.

Zielsetzung

Die Hochschule bietet mehr als 30 Studien­gänge in vier Fach­bereichen, die auf die Stand­ort­bedingungen der Region aus­gerichtet sind. Agrar­wirt­schaft und Lebens­mittel­wissen­schaften; Gesund­heit, Pflege, Management; Land­schafts­wissen­schaften und Geomatik; Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung. Aus diesen Fach­gebieten heraus haben sich die zwei Forschungs­schwer­punkte „Nach­haltiger Struktur­wandel und Umbau von ländlichen Regionen“ sowie „Gesundheit und Ernährung“ entwickelt.

Steckbrief

Rektor Prof. Dr. Gerd Teschke
Gründung 1. September 1991
Mitarbeiter 270, davon 55 in Forschungs­projekten, und 79 Professoren
Studierende 2.200

„Schräg gegenüber betreibt ein Verein einen Natur­kost­laden. Das sind junge Leute, die auch Musik­unter­richt für Kinder anbieten.“ Dieses Engagement über­zeugte auch die Jury im Wett­bewerb „Zukunfts­stadt“ des Bundes­minister­iums für Bildung und Forschung. Das kleine Amt Peene­tal/Loitz ist eine der 20 Kommunen mit den besten Visionen, Ideen und Umsetzungs­vor­schlägen, die für ihr Planungs- und Umsetzungs­konzept der „Vision 2030+“ gefördert werden. Die Hoch­schule Neu­branden­burg wird diesen Prozess in unmittel­barer Nähe wissen­schaft­lich weiter begleiten. „Das zeichnet unsere Forschung aus. Sie findet nicht nur hinter Labor­türen statt, sondern direkt im realen Leben – im ‚Real­labor’“, verdeutlicht Prof. Gerd Teschke.

Was macht der Hopfen in der Leber­wurst?

Auch in den Projekten des Forschungs­schwer­punktes „Gesund­heit und Ernährung“ ist das die Stärke der Hoch­schule. Fokussiert wird dabei auf die Schaffung von Wert­schöpfungs­ketten für gesunde Ernährung und die Verbesserung der Gesund­heit und des Wohl­befindens der Bürger. Bei der Entwicklung neuer, gesunder Lebens­mittel setzt die Hoch­schule auf die Zusammen­arbeit mit den Unter­nehmen der Ernährungs­branche, einer der wichtigsten Branchen in Mecklenburg-Vorpommern.

„Ohne Konservierungsstoffe“ ist heute ein Qualitäts­merkmal, mit dem Unter­nehmen der Ernährungs­wirtschaft gern für ihre Produkte werben. Verbraucher wünschen sich gesunde Lebens­mittel mit längerer Halt­bar­keit, die möglichst ohne künstliche Zusätze auskommen. Ein Wider­spruch, der nur durch intensive Forschung und Entwicklung zu lösen ist. Wie lassen sich Lebens­mittel mit­hilfe natürlicher Zusätze haltbar machen und zugleich neu­artige Geschmacks­richtungen kreieren? Die originelle Lösung der Neu­branden­burger Lebens­mittel­technologen lautet „Hopfen­extrakt“. Das Natur­produkt Hopfen, von Bier­kennern vor allem als Geschmacks­stoff geschätzt, wird wegen seiner konservierenden Wirkung nun zunehmend auch für andere Lebens­mittel­bereiche interessant. Erste Produkte, entwickelt im Rahmen der Verbund­forschung mit einem regionalen fleisch­ver­arbeitenden Unter­nehmen, befinden sich in der Erprobung und über­zeugen mit einer deutlich gesteigerten Beliebt­heit bei den Verbrauchern. Dieses Vorhaben „Erforschung der Eigen­schaften von Lebens­mitteln mit Hopfen­inhalts­stoffen“ (HopSen) wird im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungs­projektes „Lebens­mittel mit neuem Geschmack und gezielt verbesserter Halt­bar­keit durch Hopfen-Extrakt-Fraktionen“ (HopHalt) von der Europäischen Union im Rahmen des EFREFonds gefördert. Gemeinsam mit der Hochschule Neu­branden­burg arbeiten das Zentrum für Ernährung und Lebens­mittel­techno­logie gGmbH (ZELT) und die Firma Torney Land­fleischerei Prips­leben GmbH an dem Verbund­projekt. Verbund­forschung mit Unter­nehmen der Region entwickelt sich für die Hoch­schule Neu­branden­burg zu einem Erfolgs­rezept.

Kontakt

Brodaer Straße 2
17033 Neubrandenburg
Referat Forschung
Tel. (0395) 56 93-10 41

forschung@hs-nb.de
www.hs-nb.de

Mehr über die HS Neubrandenburg erfahren Sie auf dem YouTube-Kanal: www.youtube.com/user/HsNbTv/

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