Medizin, MINT und Meer

Wie sich die Universität zu Lübeck mit Forschung in Lebens­wissen­schaften international positioniert. Wie gelingt einer kleinen Hoch­schule Exzellenz­forschung mit inter­nationaler Strahl­kraft? Die Universität zu Lübeck setzt konsequent auf Wirtschafts­verbünde und Kooperationen. Forscherinnen und Forscher der Life-Science-Universität arbeiten daran, dass Lübeck international nicht nur für Marzipan, sondern auch Medizin und MINT steht. Zahl­reiche Erfolge mit welt­weiter Beachtung gab es bereits. Aber natürlich ist der Weg nicht einfach.

15. Juli 2017, Rathausmarkt Lübeck. Junge Forscherinnen und Forscher feiern ihre Promotion.
15. Juli 2017, Rathausmarkt Lübeck. Junge Forscherinnen und Forscher feiern ihre Promotion. © Universität Lübeck

Seine Forschung soll Leben retten. Professor Philipp Rostalski hat gerade drei Sensoren an seinen Unter­arm geklebt und schaut auf den Monitor. Die Mess­instrumente zeigen die Muskel­aktivität, Rostalski analysiert die Werte und ist zufrieden. „Es geht um Muskel­physiologie und Signal­ver­arbeitung zur optimalen Regelung von Beatmungs­geräten. Wir erforschen Methoden, die zu einer maximal schonenden Beatmung der Lungen führen“, erläutert Professor Rostalski. Die Medizinische Elektro­technik, die inter­disziplinäre Verknüpfung von Medizin und IT, ist ein Fach­gebiet, das programmatisch für die Universität zu Lübeck und die Verknüpfung von Wirtschaft und Wissen­schaft steht. Professor Philipp Rostalski ist Leiter des Instituts für Medizinische Elektro­technik und Stiftungs­professor. Das welt­weit führende Medizin­technik-Unter­nehmen Dräger finanziert seine Stelle. Seit über 125 Jahren ist Dräger Spezialist für Beatmungs­geräte. Forschungs­ergebnisse wandern direkt in die Entwicklung, sorgen für innovative Produkte. Wissen­schaft stärkt Wirtschaft und umgekehrt. Eine Win-win-Situation.

„Wir sind eine kleine, aber sehr innovative, flexible, wirtschafts- und unter­nehmens­nahe Universität. So sichern wir uns bei beschränkten Ressourcen einen inter­nationalen Spitzen­platz in vielen Forschungs­bereichen“, sagt Professor Hendrik Lehnert, Präsident der Uni­versität zu Lübeck. Seit 2015 ist die Uni­versität eine Stiftungs­uni­versität, exakt fünf Jahre nachdem die Schließung der Uni­versität als Spar­maß­nahme der damaligen Landes­regierung abgewendet werden konnte.

Logo Stiftungsuniversität Lübeck

Heute ist das Kapitel „Lübeck kämpft für seine Uni“ auf dem Campus nicht vergessen, aber die Welt eine andere. Forschung und Wirtschaft gehen Hand in Hand: von den arabischen Emiraten über das dänische Odense bis ins kalifornische San José. Dort wurde vor Kurzem eine Kooperation mit dem IT-Riesen CISCO geschlossen. Erste Anlauf­stelle für Techno­logie­transfer ist der knall­rote Gründer­cube auf dem Lübecker Campus vis à vis zum Audi­max. Hier sitzt das stiftungs­finanzierte Institut für Entrepreneur­ship und Business Development. Der Gründer­cube hilft jungen Lübecker Forscher­innen und Forschern, den Sprung in die Wirtschaft zu wagen. Prominentes Beispiel einer Ausgründung ist Gestigon. Das Start-up entwickelt Soft­ware zur Erkennung von Gesten. Welt­weit berühmt wurde Gestigon durch Barack Obama 2016. Bei einem Besuch auf der Hannover-Messe setzte der damalige US-Präsident eine 3-D-Brille von Gestigon auf. Unbezahl­bares Marketing. Heute gehört das Lübecker Unter­nehmen dem Auto­mobil­zu­lieferer Valeo.

Zahlreiche von Bund, Land und EU finanzierte Forschungs­verbünde, inter­nationale Graduierten­kollegs, Forscher­gruppen und Initiativen sowie die Partner­schaft im Rahmen eines Exzellenz­clusters stützen die Forschung an der Universität lang­fristig. Aber sichern sie auch nach­haltig ihre Finanzierung? „Wir dürfen uns nicht nur auf die Zu­wendungen der öffentlichen Hand verlassen. Die Kooperation mit der Wirtschaft ist ein wichtiger Bau­stein, um den Spitzen­platz in der inter­nationalen Forschung zu halten“, sagt Uni-Präsident Professor Lehnert. Er ist seit 2014 verantwortlich für den Kurs und die Geschicke der Universität. Die Human­genetikerin Professorin Gabriele Gillessen-Kaesbach ist seine designierte Nach­folgerin. Sie will sich auch für weitere Unter­stützungs­modelle stark­machen: „Ich möchte den Stiftungs­gedanken auch in die Hanse­stadt zu den Bürgerinnen und Bürgern tragen und die Bevölkerung an die Forschung binden.“ Die Third Mission, das gesellschaftliche Wirken von Wissen­schaft, hat in Lübeck große Bedeutung.

In der Klinik für Derma­tologie, Allergologie und Venerologie knallen an einem Freitag im Juni die Sekt­korken! Professor Detlef Zillikens und sein Team feiern eine Beschluss­empfehlung der Gemeinsamen Wissen­schafts­kommission in Berlin. „Über 25 Millionen Euro für einen Forschungs­neu­bau CRIS. Ein großer Tag für unsere Uni! Das hilft im harten inter­nationalen Wett­bewerb, Spitzen­forscher nach Lübeck zu holen“, sagt der Vize-Präsident für die Forschung. CRIS steht für das „Center of Research on Inflammation of the Skin“. Ab 2022 sollen mehr als 140 Wissen­schaftler mit ihrer Arbeit beginnen und die Behandlung entzündlicher Haut­erkrankungen erforschen.

Die Entzündungs­forschung hat besonderen Stellen­wert in Lübeck. Das immunologische Institut für Systemische Entzündungs­forschung um Professor Jörg Köhl ist mit dem Schwer­punkt „Infektion und Entzündung“ im „Zentrum für Infektiologie und Entzündungs­forschung Lübeck“ integriert und betreibt feder­führend das inter­nationale Graduierten­kolleg „Immun­regulation der Ent­zündung bei Allergien und Infektionen“. Hinzu kommen die „Modulation von Auto­immunität“, das Exzellenz­cluster „Inflammation at Inter­faces“ und die Klinische Forscher­gruppe „Pemphigoid Diseases“. Die Forschungs­verbünde zeigen als Aushänge­schild die Stärke der Entzündungs­forschung an der Uni Lübeck.

Wirtschaftsregion Hansebelt

Die Universität zu Lübeck liegt mitten in der attraktiven Wirtschafts­region HanseBelt auf einer Wachs­tums­achse zwischen den Metropolen Hamburg und Kopenhagen/Malmö. Tourismus, Logistik, Ernährungs­industrie, Gesundheits­wirtschaft und Medizin­technik sind hier zu Hause. Unter­nehmen, die hier wirken, sind einer­seits durch hanseatische Werte geprägt, anderer­seits durch skandinavische Lebens­art dazu inspiriert, anders als andere zu sein. Die Mitglieder der Initiative HanseBelt verstehen sich als Pioniere. Gemeinsam entwickeln sie neue Ideen, setzen Impulse und gehen mit eigenen Projekten voran für eine Wirtschafts­region im Auf­bruch.

www.hansebelt.de

Uni Lübeck kompakt

Die Universität zu Lübeck ist eine Life-Science-Universität mit dem Fächer­spektrum Medizin, Informatik, Natur­wissen­schaften und Technik. 4600 junge Menschen studieren an der Trave. Der inter­disziplinäre und inter­nationale Austausch unter dem Leit­bild „Im Focus das Leben“, die anwendungs­bezogene Forschung und Lehre und die starke Verzahnung mit der Wirtschaft sind auf dem Campus Lübeck all­gegen­wärtig. Die Medizin erreichte im CHE-Ranking den 1. Platz, Informatik und Molecular Life Science folgen dahinter. Die Uni Lübeck bietet ein viel­fältiges kulturelles Angebot in der Hanse­stadt.

www.uni-luebeck.de

Eine neue Heimat der Lübecker Forschung ist das 2017 fertiggestellte Center of Brain, Behavior and Metabolism. Das CBBM ist eine interdisziplinäre Einrichtung zur Erforschung der gegenseitigen Steuerung von Gehirn, Verhalten und Stoffwechselprozessen und ihrer Anwendung in der Medizin. Aktivitäten der verschiedenen Einrichtungen werden auf über 5000 Quadratmetern in modernen Labor- und Büroplätzen gebündelt. Der Bereich gilt als außerordentlich forschungs- und drittmittelstark. Seine Programme sind finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Das CBBM gilt als Keimzelle innovativer Forschung auf dem Lübecker Campus. Eine Keimzelle, die wächst. Direkt neben dem CBBM entsteht zurzeit das Gebäude für Biomedizinische Forschung. Wissenschaft auf Wachstumskurs.

Das Institut für Biomedizinische Optik (BMO) ging 2005 aus dem 1986 als reinem Forschungs­institut gegründeten Medizinischen Laser­zentrum Lübeck (MLL GmbH) hervor, das aber als gemein­nützige Forschungs- und Entwicklungs­einrichtung erhalten blieb. Seitdem arbeiten beide eng verzahnt miteinander. „Was als Not­lösung begann, hat sich als optimale Lösung für den Technologie­transfer heraus­gestellt“, sagt Professor Alfred Vogel, der 1992 als Gruppen­leiter im Laser­zentrum einstieg und seit 2010 Direktor des BMO und stell­vertretender Geschäfts­führer der MLL GmbH ist. Anwendungs­orientierte biophotonische Grund­lagen­forschung und technologische Entwicklung an den Schnitt­stellen zur industriellen Umsetzung und klinischen Anwendung gehen seitdem beispiel­haft Hand in Hand.

Professor Thorsten Buzug kann eine ähnliche Erfolgs­geschichte erzählen. Er hat gerade das 25-jährige Bestehen seines Instituts für Medizin­technik gefeiert, unzählige Kooperationen mit der Wirtschaft angeschoben und viele Forschungs­preise erhalten. „MINT gehört die Zukunft. Ohne Zweifel gäbe es die wesentlichen Innovationen ohne die Forschung in Mathematik, Informatik, Natur­wissen­schaft und Technik nicht. Ich kann Abiturienten nur ermutigen, sich für diese Fächer zu interessieren. Doch MINT braucht auch Mut, ist häufig mühsam und fordert einen hohen Grad an Frustrations­toleranz“, sagt Buzug.

Wie gelingt es, den Forscher­nach­wuchs nach Lübeck zu locken? Fabian Mey und Pragathi Gurumurthy sind zwei junge Wissen­schaftler, auf denen in Lübeck die Hoffnungen ruhen. Der Doktorand Fabian Mey forscht an Toxo­plasmose in einem inter­nationalen Graduierten­kolleg. „Die Internationalität war mir besonders wichtig, und das Angebot, in einem Graduierte­nkolleg zu promovieren, kam genau richtig“, sagt er. Die Doktorandin Pragathi Gurumurthy forscht an der Luft­röhre. Viele Stunden verbringen die gebürtige Inderin und ihr deutscher Kollege Mey im Labor. Sie sind beeindruckt von den Forschungs­möglichkeiten, der Kompaktheit des Campus und dem attraktiven Stand­ort an der Ostsee.

Stiftungsuniversität

Ziel der Stiftungs­universität Lübeck ist es, die Universität mit Partnern als erfolg­reiche Institution im Bereich der Lebens­wissen­schaften mit einem Fokus auf Medizin und Medizin­technik lang­fristig zu positionieren. Sie versteht Freunde und Förderer als ein lebendiges Netz­werk von Praxis und Wissen­schaft, das mit seinem Engagement Verbindungen zwischen Jung und Alt, Studierenden, Lehrenden und Ehemaligen knüpft. Eine Förderung der Universität zu Lübeck bedeutet daher ein Investment in innovative Forschung und Lehre, in junge, talentierte Menschen, für erfolg­reiche Kooperations­modelle an der Schnitt­stelle von Forschung und Praxis auf einem innovativen Campus.

www.uni-luebeck.de

Die Hochschule wirbt um junge Wissenschaftler wie Mey und Gurumurthy mit modernem Marketing, erzählt Erfolgs­geschichten, bietet exzellente Lehre und nicht zuletzt ein attraktives Lebens­umfeld. „Lübeck is the place to be“, sagt Nachwuchs­wissen­schaftlerin Gurumurthy bei einem Spazier­gang entlang der historischen Alt­stadt: Sie hat die viel­beschriebene Königin der Hanse in ihr Herz geschlossen mit Medizin, MINT, Marzipan und Meer.

Weitere Informationen zu Forschung an der Uni Lübeck finden sie hier: www.uni-luebeck.de/forschung
Die Uni Lübeck in Kurzvideos sehen sie hier: www.uni-luebeck.de/videos

Kontakt

Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23562 Lübeck
Tel. (0451) 310 1 0

presse@uni-luebeck.de
www.uni-luebeck.de

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