Digitalisierung eröffnet Chancen

Der digitale Fortschritt hat das Gesund­heits­wesen längst erfasst. Hoch­auf­lösende Bildg­ebung erleichtert Diagnosen, Roboter unter­stützen bei Operationen, die elektronische Patienten­akte erleichtert Ärzten und Pflege­personal die Arbeit. Doch was bringt die Entwicklung konkret dem Patienten?

Eine Ärztin tippt auf ein virtuelles Herz
© istock/Natali_Mis

„Die Digitalisierung bringt eine bessere und schnellere Diagnostik. Die Rate an Fehl­diagnosen wird ab­nehmen“, sagt Professor Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstands­vor­sitzender der Universitäts­medizin Essen. Über die Grenzen der Fach­disziplinen hinweg würden diagnostische Daten zusammen­geführt und über Algo­rithmen aus­gewertet werden. Dies verbessere die Erkennung seltener Erkrankungen und führe allgemein zu individuelleren Therapien. Professor Werner ist sicher: „Gen­basierte Daten werden im Wissens­pool der Welt­literatur aus­gewertet, um personalisierte Therapie­empfehlungen zu geben.“

Die Digitalisierung bringt eine bessere und schnellere Diagnostik. Die Rate an Fehl­diagnosen wird ab­nehmen.
Prof. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstands­vor­sitzender Universitäts­medizin Essen

Basis einer Behandlung nach Maß sind persönliche Patienten-Daten. Diese rücken deshalb verstärkt ins Zentrum des Interesses verschiedener Institutionen: von Versicherungen, Arbeit­gebern oder auch Unter­nehmen, die ziel­gerichtet Werbung treiben wollen. Professor Werner fordert daher eine umfassende, fundierte und vor allem ehrliche und transparente Kommunikation zu Chancen und Risiken der digitalen Transformation in der Medizin: „Nur aufgeklärte Patienten können verfügbare Versorgungs­qualitäten ein­fordern!“ Er sagt aber auch: „Dies ist auch deshalb wichtig, weil nicht alle Anbieter von medizinischen Leistungen zur Veränderung des Alt­gewohnten bereit sind!“

Für Werner, dessen Uniklinik Essen schon auf dem Weg zum Smart Hospital ist, bietet die Medizin der Zukunft große Chancen, doch Digitalisierung dürfe auf keinen Fall Entmenschlichung bedeuten. Er nennt ein Beispiel: „Der Fort­schritt muss die Pflege­kräfte von zeit­raubenden administrativen Tätig­keiten befreien, damit sie wieder mehr Zeit für Kontakte mit Patienten haben.“ Werner fordert Investitionen in die digitale Infra­struktur: „Kranken­haus­planungen dürfen nicht mehr am Beton ausgerichtet werden.“ Und er setzt auf inter­disziplinäre Zusammen­arbeit, zum Beispiel von Daten­wissen­schaftlern und Medizinern.

Dieser Artikel ist in der Sonderveröffentlichung „Forschungswelten: Medizin & Gesundheit“ am 27.09.18 in DIE ZEIT erschienen.

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