Von Science-Fiction zu innovativer Forschung

Der Berliner Forscher Andreas Elsäßer sucht im Licht ferner Planeten nach Spuren des Lebens.

Proben organischer Moleküle auf der ESA Plattform EXPOSE-R2 an der Außenseite der internationalen Raumstation, aufgenommen während eines Außenbordeinsatzes.
Proben organischer Moleküle auf der ESA Plattform EXPOSE-R2 an der Außenseite der internationalen Raumstation, aufgenommen während eines Außenbordeinsatzes. © ESA/Roscosmos/NASA

Auf der Kinoleinwand dringen menschliche Raum­schiffe seit Jahr­zehnten zu entfernten Winkeln des Universums vor, treffen auf andere Spezies und kämpfen in spektakulären Sternen­kriegen. So gefährlich ist die Forschung des Bio­physikers Andreas Elsäßer nicht, aber auch ihm geht es um eine der großen Fragen der Mensch­heit: Sind wir alleine im Universum? Ermöglicht wird seine Forschung durch die Entwicklung neuer Welt­raum­teleskope, die unser Wissen um die Existenz von Tausenden von Exo­planeten erweitert haben, durch Experimente auf der Inter­nationalen Raum­station; und nicht zuletzt durch Förder­programme, die mutige inter­disziplinäre Projekte belohnen.

Andreas Elsäßer untersucht die Veränderungs- und Zerfalls­prozesse von Molekülen, die gewöhnlich mit Leben assoziiert werden – wie Amino­säuren, Lipide oder Pigmente. Um die Veränderungen der biogenen Moleküle unter Einfluss von elektro­magnetischer und kosmischer Strahlung zu beschreiben, werden an der Außen­seite der Inter­nationalen Raum­station Proben angebracht. In der Simulations­kammer der Freien Universität Berlin werden sie außerdem unter­schiedlichen Druck-, Temperatur- und Strahlungs­umgebungen ausgesetzt. Die Zerfalls­produkte solcher Moleküle können das Vorhandensein von Lebe­wesen anzeigen. Ziel ist es, eine möglichst umfassende Daten­bank solcher Biomarker zu erstellen, die bei spektros­kopischen Unter­suchungen von Exoplaneten nachgewiesen werden könnten.

Die Suche nach Leben in unserem Sonnensystem jenseits der Erde ist seit einigen Jahren in vollem Gange.
Andreas Elsäßer, Bio­physiker

„Die Suche nach Leben in unserem Sonnensystem jenseits der Erde ist seit einigen Jahren in vollem Gange, zum Beispiel mit Hilfe von NASAs Curiosity Rover oder ESAs Exomars Mission zu unserem Nachbar­planeten Mars“, erzählt Elsäßer. „Seit der Entdeckung von Exo­planeten ist es möglich, jenseits der Grenzen des Sonnen­systems Informationen zu empfangen. Das hat meine Perspektive verändert.“ Im Herbst dieses Jahres tritt Andreas Elsäßer sein „Freigeist“-Fellowship an – eine Förderung der Volkswagen Stiftung, die besonders innovative und risiko­bereite Forschungs­vorhaben unterstützt. Um Risiken ist Elsäßers Projekt nicht arm: „Das Risiko zu scheitern steckt überall. Bei Welt­raum­experimenten kann immer etwas schiefgehen, zum Beispiel die Träger­rakete explodieren und dann wäre das gesamte Experiment verloren. Oder wir richten die Teleskope in die falsche Richtung. Im schlimmsten Fall werden wir nicht finden, wonach wir suchen.“

Neben Mut braucht man laut Andreas Elsäßer sehr viel Enthusiasmus und eine große Frustrations­toleranz, wenn man als Wissen­schaftler Projekte erfolgreich umsetzen will. Seine eigene Karriere zeigt, dass es möglich ist, mit Dritt­mittel­förderungen eine unabhängige Karriere in der Forschung zu starten und ein neues inter­disziplinäres Thema durchzusetzen. Das Fellowship der Dahlem Research School ebnete den Weg für seine Forschungs­ideen. „Das Programm ermöglichte es mir, mich mit meiner eigenen Forschungs­richtung zu etablieren“, resümiert er. „In der schwierigen Phase nach der Promotion hat mir das DRS Fellowship die nötige Zeit und Unabhängigkeit gegeben, meine eigene Forschung umzusetzen und weitere Anträge zu schreiben.“

Das „Freigeist“-Fellowship wird sein drittes sein – eins mit deutlich mehr Ressourcen und Raum für überraschende Forschungs­perspektiven. Wird man dann in fünf Jahren wissen, ob außerhalb der Erde Leben existiert?

„Das ist eine Frage, die wahrscheinlich so schnell nicht beantwortet werden kann“, lacht Andreas Elsäßer. „Ich hoffe, dass die Teleskope in fünf Jahren die Daten produzieren werden, die wir brauchen, um nach Spuren des Lebens zu suchen. Aber das weiß man natürlich heute noch nicht.“

Steckbrief

Zielsetzung

Die Dahlem Research School ist das strategische Zentrum für Wissen­schaftler­innen und Wissen­schaftler in ihrer frühen Qualifikations- und Berufs­phase. Die DRS gewährleistet eine kontinuierliche, systematische und auf Nachhaltig­keit zielende Förderung von promovierenden und promovierten Wissen­schaftlern und Wissen­schaftler­innen. Sie betreibt dafür Strategie- und Qualitäts­entwicklung und bietet viel­fältige Services an.

Kontakt

Dahlem Research School
Freie Universität Berlin
Hittorfstraße 16
14195 Berlin
Tel. (030) 83 86 20 61
drs@fu-berlin.de
www.fu-berlin.de/drs

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Dieser Artikel ist in der Sonderveröffentlichung „Forschungswelten: Interdisziplinarität“ am 05.07.2018 in DIE ZEIT erschienen.

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