Viele Stakeholder ermöglichen die Gründung eines Kompetenz-Centers

Blockchain ist in aller Munde. Doch was wörtlich aus dem Englischen übersetzt „Block­kette“ bedeutet, ruft bei vielen Menschen nur ein Schulter­zucken hervor: Block­chain?

Illustration von Blockchain
© istock/Rick_Jo

Kein Wunder, denn was da weltweit als technologische Basis für Krypto­währungen wie Bit­coin oder Ether immer bekannter geworden ist, ist komplex, wird aber die Welt revolutionieren. „Davon bin ich 110-prozentig über­zeugt“, sagt Professor Andreas Ittner, Leiter des BCCM der Hoch­schule Mitt­weida in Sachsen. „Die Block­chain-Technologie wird die technologische Basis der Zukunft für die digitalen Wert­ströme und das Management digitaler Dokumente sein.“

BCCM steht für Block­chain Competence Center Mitt­weida und ist ein Parade­beispiel für die Geschwindig­keit und Konsequenz, mit der Hoch­schulen heut­zutage auf technische Entwicklungen reagieren können, ja, reagieren müssen. Das BCCM wurde erst im Sommer 2017 an der Hoch­schule für angewandte Wissen­schaften in Mittweida gegründet.

Die Block­chain-Technologie wird die technologische Basis der Zukunft für die digitalen Wert­ströme und das Management digitaler Dokumente sein.
Andreas Ittner, Hoch­schule Mitt­weida

Euphorisiert wurden die Verantwortlichen in den beiden vergangenen Jahren vom Erfolg eines Start-ups: „Slock.it“, die Unternehmens-Gründung der aus der Region stammenden Gebrüder Jentzsch. Selbst die New York Times interviewte 2016 die sächsischen Block­chain-Pioniere, als sie mit der Programmierung der welt­weit ersten virtuellen Investment­firma DAO (Decentralized Autonomous Organisation) Schlag­zeilen machten. „Mithilfe eines umtriebigen Ober­bürger­meisters und eines ebenso offenen Volks­bank-Chefs haben wir weitere Partner gefunden und das BCCM gegründet“, sagt Professor Ittner.

Mit ihren tausend­fach redundant gesicherten Inhalten bietet die Block­chain ein unglaubliches Potenzial für die Verwaltung und Dokumentation von Prozessen in nahezu allen Wirtschafts­bereichen. Ittner bezeichnet das Internet, wie wir es heute nutzen, als Kopier­maschine: „Jedes Dokument, das wir per Mail verschicken, jedes Foto, das wir her­unter­laden, ist nur eine Kopie.“ In einer Block­chain aber gebe es nur Unikate, Originale! Dadurch lasse sich jede Art von Vertrag ohne zwischen­gelagerte Instanz wie Behörde, Bank oder Notar verwalten: Immobilien, Versicherungen, Aktien, Handels-Dokumente, Patente, selbst Micro-Payment im Internet wird sich mit einer Block­chain realisieren lassen. Mitt­weida forscht und entwickelt mit – an den Basics, an der technologischen Richtung, an rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmen­bedingungen.

Sollte sich dadurch der 15.000-Einwohner-Ort in Richtung Groß­stadt entwickeln, wird er möglicher­weise die Unter­stützung von MARS benötigen. MARS steht für „Multi Agent Research and Simulation“ und ist in Hamburg beheimatet, genauer gesagt an der dortigen Hoch­schule für angewandte Wissen­schaften (HAW). MARS hilft in Hamburg bei der Stadt­entwicklung. Mit demselben, in vier Jahren entwickelten Techno­logie-Gerüst wird aber zum Beispiel aktuell auch in National­parks in Süd­afrika die Populations-Entwicklung der Elefanten simuliert.

Weiterführende Infos

Rund 6 Milliarden Euro aus öffent­lichen Kassen werden laut Bundes­bericht Forschung und Innovation jährlich an Fach­hoch­schulen für Forschung und Entwicklung ausgeben. An den Universitäten liegt der Wert bei knapp 21 Milliarden Euro.

Kernaufgabe des neuen Projekts in Hamburg ist, Entscheidungs­träger in Politik und Verwaltung bei immer komplexer werdenden Heraus­forderungen tatsächlich zu Entscheidungen zu befähigen: zum Beispiel bei Bau­vor­haben, Verkehrs­führungen oder Industrie-Ansiedlungen, und zwar durch Simulation auf der Basis vorhandener, großer Daten­mengen.

„Wir sind ein virtuelles Experimentier­labor“, sagt Thomas Clemen, Professor für Informatik und Leiter der MARS-Group: „Eine Groß­stadt oder auch ein Ökosystem sind durch die Viel­zahl möglicher Inter­aktionen extrem komplexe Systeme.“ Da komme der Mensch allein mit seinem linearen Denken nicht weit. „Aber Simulation erlaubt uns, mit dieser Komplexität aus neuen Blick­winkeln zu spielen, sie wie ein Computer­spiel erfahrbar zu gestalten und Lösungen anzubieten.“

Also, liebe Großstädter, es macht keinen Sinn, auf Stadt­planer zu schimpfen, wenn wir im Stau stehen, weil woanders zum Beispiel eine Haupt­verkehrs­ader lang­fristig gesperrt ist. Vielleicht war einfach die Daten­basis für die Simulation zu gering, um eine vernünftige Alternativ-Route anzubieten. Nicht hupen!

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