Masterstudent entwickelt Solarofen für mexikanische Kleinbauern

Die ehemalige Fachhoch­schule Köln geht als TH Köln neue Wege – mit ausgeprägter Forschungs­stärke, zukunfts­weisenden Lehr­konzepten und inter­nationaler Ausrichtung. Ihr Ziel: Wissenschaft soll nutzbar sein in der Zivil­gesellschaft.

Wissenschaftliche Mitarbeiterinn Eva Rausch analysiert Vanilleschoten mexikanischer Kleinbauern, die zuvor in einem von ihm entwickelten Solarofen getrocknet wurden.
Wissenschaftliche Mitarbeiterinn Eva Rausch analysiert Vanilleschoten mexikanischer Kleinbauern, die zuvor in einem von ihm entwickelten Solarofen getrocknet wurden. © Viola Gräfenstein / TH Köln

Die Verarbeitung von Vanille­schoten ist nichts, was man zwingend in Nordrhein-Westfalen erwarten würde. Dennoch strömt der Duft von Vanille durch das Gebäude in Leverkusen, in dem drei junge Menschen die Schoten in kleine Stücke schneiden. Hier wird nicht gekocht, hier wird geforscht!

Clemens Brauer, einer der drei, ist Master­student am Institut für Technologie und Ressource­nmanagement in den Tropen und Sub­tropen (ITT) am Campus Deutz der TH Köln. Er hat einige Monate in Mexiko verbracht und einen selbst entwickelten Solar­trockner für den Verarbeitungs­prozess von Vanille­schoten konstruiert. Jetzt steht Brauer im Labor der Fakultät für Angewandte Natur­wissen­schaften am Campus Leverkusen der TH Köln und bereitet die Schoten gemeinsam mit den wissen­schaftlichen Mitarbeitern Eva Rausch und Marcus Schief für eine Unter­suchung zu deren Vanille­gehalt vor.

Logo TH Köln

Die herkömmliche Trocknung der Vanille­schoten durch die mexikanischen Klein­bauern dauert bis zu drei Monaten. Sie werden zunächst auf einer Nylon­decke in der Sonne erwärmt. Anschließend wickeln die Bauern die Schoten in Woll­decken und bringen sie so zum Schwitzen. Dieser Vorgang wird bis zu 30 Mal und idealer­weise bei 45 Grad Celsius wiederholt. Erst durch diesen aufwendigen Produktions­prozess entsteht das typische Aroma der Vanille­kapseln. Doch Wind und Schimmel­­pilze setzen den Schoten zu. Brauers solar­getriebener Trockner dagegen funktioniert wie ein geschlossenes Gewächs­haus, das zugleich Wärme speichert, wodurch die Luft entfeuchtet wird.

Mein Ziel ist es, dass die mexikanischen Bauern den Solar­trockner lang­fristig als effiziente Alternative über­nehmen.
Clemens Brauer, TH Köln

Mit den getrockneten Vanille­schoten kehrte Clemens Brauer nach Deutschland zurück und machte sich mit Professor Matthias Hochgürtel und den Kollegen der Fakultät für Angewandte Natur­wissen­schaften an die Analyse. Spannend war: Leidet die Qualität des Produkts bei der Schnell­trocknung? Ergebnis: Bei der Methode Brauer ist der Vanillin­gehalt der Schoten mindestens genauso hoch wie bei der traditionellen Produktion. „Mein Ziel ist es, dass die mexikanischen Bauern den Solar­trockner lang­fristig als effiziente Alternative über­nehmen“, sagt der Master­absolvent. Ein fertiger Trockner kostet, je nach Größe, maximal 200 Euro. Eine Investition, die sich für die Bauern lohnen dürfte, denn Vanille gilt inzwischen nach Safran als zweit­teuerstes Gewürz der Welt und ist sogar teurer als reines Silber. Das Vanille-Projekt ist eines von inzwischen vielen Beispielen, von denen Sybille Fuhrmann mit Freude berichtet. „Diese Master­arbeit steht neben anderen eindrucks­voll für unser Verständnis als Hochschule“, sagt die Presse­sprecherin der TH Köln. Dies sei geprägt von inter­disziplinärer, auch standort­über­greifender Zusammen­arbeit, von forschendem und projekt­orientiertem Lernen sowie Inter­nationalität. „Vor allem aber stehen wir für ein Forschungs­setting, das auch bei ingenieur­wissenschaft­lichen Frage­stellungen soziale und kulturelle Aspekte mit berücksichtigt und auf diese Weise nach­haltige Lösungen, also soziale Innovationen ermöglichen kann.“

Die ehemalige Fach­hochschule Köln habe sich nicht nur einen neuen Namen gegeben, sie durch­lebe einen Evolutions­prozess. In jedem akademischen Jahr gebe es zum Beispiel eine inter­disziplinäre Projekt­woche, an der sich alle Fakultäten beteiligten. „Die Bereiche werden dadurch grund­sätzlich durch­lässiger. Studierende unter­schiedlicher Fakultäten können eigenes Erleben und ihre Kompetenzen ein­bringen, lernen fach­fremde Sicht­weisen kennen und können gemeinsam Lösungs­potenziale erschließen“, sagt Sybille Fuhrmann.

Das Konzept kommt an, auch in der Region. Außer den beiden Haupt­zentren in Köln, dem Campus Leverkusen und dem Campus Gummers­bach ist die Gründung eines weiteren Campus in einem vom Struktur­wandel geprägten Gebiet in Planung: im Rhein-Erft-Kreis zwischen Köln und Aachen. Es waren die Politiker des Kreises, die die Initiative dazu ergriffen hatten. Vorgesehen ist eine Fakultät mit eigenem Profil: Raum­entwicklung und Infra­struktur­systeme. Fach­kräfte mit einem ganz­heitlichen Blick sind gefragt, wenn es um die Gestaltung unserer Lebens­räume und die Mobilität von morgen geht. Kommunale Integration at its best!

X

Sie verwenden einen sehr alten Browser.

Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser.
Aktuelle Browser finden Sie hier