eHealth, Medizintechnik und IT-Sicherheit von morgen

Informationstechnologie in der Medizin – kurz eHealth –, Mensch-Computer-Inter­aktion und Privat­sphäre in sozialen Netzen sind spannende Forschungs­bereiche der Hoch­schule Flensburg.

Studentinnen arbeiten am Computer
Viele junge Wissenschaftlerinnen arbeiten in den Projekten der Hochschule Flensburg. © Hochschule Flensburg

Wie kann Informations­technologie Lebens­qualität verbessern, Diagnosen sicherer machen und medizinische Geräte so benutzer­freundlich wie möglich? An dieser Schnitt­stelle zwischen Mensch und Technik wird an der Hoch­schule Flensburg in verschiedenen Projekten geforscht. Das inter­disziplinäre deutsch­dänische eHealth-Projekt „Demantec – Demenz und innovative Techno­logien in Pflege­heimen“ sucht Antworten auf eine der größten gesellschaftlichen Heraus­forderungen: Welche Techniken und Prozesse können die Lebens­qualität von Demenz­kranken erhöhen, das Pflege­personal entlasten und den Beruf für junge Menschen attraktiver machen? „Rund 1,6 Millionen sind heute in Deutsch­land an Demenz erkrankt. Tendenz steigend“, sagt Prof. Dr. Bosco Lehr, Leiter des Instituts für eHealth und Management im Gesundheits­wesen und Vize­präsident für inter­nationale Kooperationen an der Hoch­schule. „Mit dem Demantec-Projekt wollen wir Welfare- und Gesundheits­technologien etablieren, um Menschen mit Demenz in Pflege­heimen in ihren Abläufen zu unter­stützen“, erklärt Lehr. eHealth bedeute jedoch nicht nur die Entwicklung neuer Soft­ware und technologischer Innovationen, sondern es gehe um die gesamten Anwendungs­szenarien. Daher müssten alle Beteiligten einbezogen werden: Fach­kräfte, Patienten und Angehörige. Prozess­innovationen und Soft­ware­entwicklungen werden deshalb in deutschen und dänischen Pflege­heimen erprobt.

Da die Rahmen­bedingungen der Pflege in beiden Ländern unterschiedlich sind, bieten die Tests zugleich die Chance, von­einander zu lernen. Ziel ist es nicht nur, den All­tag der Patienten zu erleichtern, Nutzen soll das Projekt insbesondere den Pflege­kräften bringen, damit sie dem erhöhten Bedarf und steigenden Anforderungen gerecht werden. Die Integration innovativer Lösungen in die Aus-, Fort- und Weiter­bildung verbessert vor allem bei jüngeren Menschen auch die Attraktivität des Berufes. Dazu werden bestehende Techno­logien adaptiert und weiter­entwickelt. So wird die aufwendige Dokumentation – statt mit PC und Zehn­finger­system – durch Tablet und elektronischen Stift erleichtert, um mehr Zeit für Patienten zu gewinnen. Die Erkrankten kann zum Beispiel eine Smart­watch an die Medi­kamenten­ein­nahme erinnern oder sie werden gewarnt, falls sie sich zu weit von Pflege­heim oder Wohnung entfernen. Zu Beginn einer Demenz kann es auch gelingen, Erinnerungs­funktionen durch Bilder zu verbessern. Neben den beiden dänischen Spezialisten für Notruf- und Software­systeme Any Group und Life Partners sind am Demantec-Projekt weitere sieben Projekt­partner und 20 Netz­werk­partner aus Deutsch­land und Dänemark beteiligt. Das international bedeutende Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Zielsetzung

Ein breites Studien­angebot bieten die Forschungs­felder Bio­techno­logie, Informatik und Maschinen­bau, maritime Themen, Wirtschaft und Energie. Als Hoch­schule für angewandte Wissen­schaften gehören Praxis­nähe und inter­disziplinäre Zusammen­arbeit seit jeher zum Programm. Verankert in inter­nationalen und nationalen Netz­werken, in Kooperation mit Partnern aus Wirtschaft und Wissen­schaft arbeitet die Hoch­schule Flensburg heute intensiv an den Themen von morgen.

Studierende

4.000

Gründung

1852 als Kgl. Dänische Navigationsschule

Ein weiteres Projekt der Hoch­schule beschäftigt sich mit der Bild­gebung, die in der Medizin zunehmend wichtiger wird: In der Diagnostik, bei chirurgischen Eingriffen und bei minimal­invasiven Operationen ist eine detaillierte optische Darstellung unverzichtbar. Für eine leichte Hand­habung und zur Vermeidung von Fehlern bei der Inter­pretation der Bilder kommt es darauf an, die Technik so an­wender­freundlich und so genau wie möglich zu machen. Usability heißt das Stich­wort. Prof. Dr. Michael Teistler untersucht mit seinen Teams, wie sich Bild­gebung effektiver und dabei auch einfacher nutzen lässt. „In der Radio­logie, bei Computer- und Kern­spin­tomo­graphie werden Hunderte oder Tausende von Schnitt­bildern erzeugt, durch die sich Mediziner bei der Diagnose hin­durch­scrollen müssen. Daher arbeiten wir daran, mit neuen Methoden der 3D-Navigation und -dar­stellung schneller und einfacher Ansichten des Körper­inneren zu erzeugen.“ Dabei werden ganz ungewöhnliche, kreative Wege gegangen. So ist es beim Ultra­schall nicht ganz einfach, mit Hilfe der erzeugten Schnitt­bilder drei­dimen­sionale Objekte zu erfassen. Dazu hatten die Flens­burger Forscher eine neue Idee: Mit einem handels­üblichen Game Controller in Form einer Ultra­schall­sonde kann spielerisch erlernt werden, welches drei­dimensionale Objekt sich hinter einem Schnitt­bild verbirgt. Fähig­keiten, die sich im Wett­bewerb von Level zu Level weiter­entwickeln lassen.

„Auch beim welt­weit größten Radio­logie-Kongress in Chicago war die Vor­stellung dieses neuen Tools ein großer Erfolg.“ Mit dieser sogenannten „Gami­fication“ werden bereits in vielen Bereichen Abläufe spielerisch erlernt. Da es für die medizinische Aus­bildung wichtig ist, früh­zeitig den Umgang mit Ultra­schall­geräten zu lernen, will das Team von Prof. Dr. Teistler den Proto­typ auch klinik­tauglich machen, damit er in die Aus­bildung integriert werden kann. Und wie weit ist es noch bis zur Virtual Reality? „VR nutzen wir bei unseren Veranstaltungen mit großem Erfolg“, so Teistler. „Und sie ist eine viel­ver­sprechende Techno­logie für die medizinische Aus­bildung. Aller­dings ist es fraglich, welche Rolle die VR in naher Zukunft im klinischen Alltag spielt. Wir konzentrieren uns darauf, die Schnitt­stelle zwischen Mensch und Computer benutzer­freundlich und effizient zu gestalten. Hier kann manchmal weniger mehr sein.“ Auch in diesem spannenden Feld bietet die Hoch­schule Flens­burg zahlreiche Master- und Bachelor-Stellen an.

Logo HS Flensburg

Nicht nur in einem so sensiblen Bereich wie der Medizin ist Daten­sicher­heit ein wichtiges Thema. Sie betrifft jeden, der in der digitalen Welt unter­wegs ist. Der Professor für Krypto­graphie und IT-Sicher­heit Sebastian Gajek hat vor allem die sozialen Netz­werke im Fokus. „Daten­kraken wie Face­book, Google oder andere wissen immer mehr über die User. Bisher gibt es nur die binäre Lösung: Entweder man macht mit und verschenkt seine Daten – oder nicht.“ Und dabei geht es nicht um Klein­geld, personen­bezogene Daten sind eine harte Währung. Je nachdem in welchen Netzwerken er unter­wegs ist, stellt jeder User den Betreibern Jahr für Jahr Daten mit einem Gegen­wert zwischen 200 und 500 Dollar zur Verfügung, so Prof. Dr. Gajek. Daher sucht der Wissen­schaftler eine Lösung, wie man in sozialen Netz­werken aktiv sein kann, ohne die Kontrolle über die eigenen Daten zu verlieren. Der Experte für Krypto­graphie hat mit seinen Teams prototypisch für Face­book eine App entwickelt, die alle über­mittelten Daten verschlüsselt. „Face­book bekommt dann nur verschlüsselten Daten­salat, keine Klar­daten. Das ist die Magie der Krypto­graphie“, freut sich der Professor. Voraus­setzung ist, dass die Empfänger über die gleiche App verfügen. Von der Universität geht so ein Denk­anstoß zur Demo­kratisierung der Netze aus. „Denn eine naive Sicht­weise ist heute einfach nicht mehr zeit­gemäß.“ Grund­lagen­forschung der HS Flensburg, die künftig als Material für Start­ups auch zu einer breiten Anwendung führen kann.

Kontakt

Hochschule Flensburg

Kanzleistraße 91-93
24943 Flensburg
Tel. (0461) 805-01
infopoint@hs-flensburg.de
www.hs-flensburg.de

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