Medienvergleich: Online-Artikel zum Thema „Brexit“

Im Juni 2016 stimmte die Mehrheit der britischen Wähler für den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union, im März 2017 stellte die britische Regierung ihr offizielles Austrittsgesuch. Die Nachricht vom „Brexit“ erschütterte Millionen Menschen in der EU: Man erörterte mögliche Folgen des Austritts auf die Politik und Wirtschaft und überlegte, welche Auswirkungen der Brexit auf die eigene Lebens­situation haben könnte.

britische Flagge weht im Wind
© unsplash

Ein Thema also mit einen enorm hohen Nachrichten­wert, das Medien vor große Heraus­forderungen stellt. Zum einen sind Prognosen per se vage. Beiträge zu den Brexit-Folgen drohen daher unpräzise auszufallen. Zudem sind die wirtschaftlichen und vertrags­rechtlichen Implikationen für Laien schwer verständlich. Journalisten müssen daher sehr komplexe Zusammenhänge verständlich herunter­brechen, ohne die Materie so stark zu vereinfachen, dass sie verzerrt wird.

Vier Artikel werden in diesem Kapitel als Beispiel hierfür heran­gezogen. Zwei Beiträge richten sich dabei explizit an junge Leser als Zielgruppe; die anderen zwei berichten über die jungen Wähler im Rahmen des Brexit-Referendums. Analysiert man die Texte, lässt sich heraus­­arbeiten, mit welchen inhaltlichen und sprachlich-stilistischen Mitteln die Artikel unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Im Medien­vergleich wird zudem deutlich, wie die Aufbereitung eines Themas die eigene Meinungs­bildung rund um das Brexit-Referendum beeinflussen kann.


Online- und Printartikel zum Thema „BREXIT“


FAZ.NET, 26.6.2016

Die Jungen sind selber schuld

Die Alten hätten ihnen mit ihrem Brexit-Votum die Zukunft verbaut, klagen die jüngeren Briten. Doch das stimmt nicht. Sie haben sich die Suppe selbst eingebrockt.
Von OLIVER KÜHN

Hier geht es zum Artikel: http://www.faz.net/aktuell/brexit/brexit-die-jungen-sind-selber-schuld-14309317.html


BRAVO online, 24.6.2016:

Was bedeutet der Brexit für mich?

Ein ernstes Thema: Wie heute bekannt wurde, ist der britische EU-Austritt („Brexit“) beschlossene Sache. 51,9 Prozent der Wahlberechtigten aus England, Schottland, Wales und Nordirland stimmten dafür und setzten damit ganz Europa unter Schock. Das Krasse daran: Die Entscheidung der Briten betrifft uns ALLE. Deswegen lautet die große Frage momentan, was der Brexit für jeden Einzelnen von uns bedeutet. Wir erklären euch, welche Sachen sich in Zukunft ändern könnten
Von MARC

Hier geht es zum Artikel: http://www.bravo.de/was-bedeutet-der-brexit-fuer-mich-372948.html


ZEIT ONLINE, 14.7.2016

Warum habt ihr nicht gewählt?

Die Alten haben den Jungen ihre Zukunft versaut, heißt es nach dem Brexit. Aber viele der Jüngeren sind nicht zur Wahl gegangen. Wir haben drei von ihnen gefragt: Warum?
Von RIDERIKE WERNER

Hier geht es zum Artikel: http://www.zeit.de/campus/2016-07/brexit-junge-briten-referendum-nichtwaehler


ze.tt, 29.3.2017:

Der Brexit ist hart, aber zum Glück gibt’s das Internet

Die Alten hätten ihnen mit ihrem Brexit-Votum die Zukunft verbaut, klagen die jüngeren Briten. Doch das stimmt nicht. Sie haben sich die Suppe selbst eingebrockt
Von TESSA HÖGELE

Hier geht es zum Artikel: http://ze.tt/der-brexit-ist-hart-aber-zum-glueck-gibt-es-ja-das-internet/


Arbeitsanregungen

Lernziele

  • Medienartikel zu einem Thema, die unterschiedlichen Quellen entstammen, analysieren und vergleichen.
  • Eigene Fragestellungen zu einem Ereignis formulieren und hieraus im Medienvergleich Angebote finden, die zum persönlichen Informationsbedürfnis passen.
  • In der Lage sein, anhand des Textaufbaus, der Inhalte sowie sprachlich-stilistischer Kennzeichen die Zielgruppe und die Intention des Autors zu erschließen.
  • Inhaltliche und begriffliche Schwerpunkte eines Textes mithilfe einer Wortwolke analysieren.
  • In einer simulierten Redaktionskonferenz die Berichterstattung zu einem Thema zielgruppengerecht festlegen und dabei Leserwünsche und -interessen berücksichtigen.
  • Verstehen, aus welchen strategischen Überlegungen heraus verschiedene Medien ein Thema unterschiedlich aufbereiten.
  • Einen Pressespiegel zu einem aktuellen Thema erstellen und hieraus Rückschlüsse auf die Zielgruppen und die politische Ausrichtung journalistischer Medien ziehen.

Aufgaben zum Einstieg

Einzelaufgabe: Die eigene Erwartungs­haltung zur Medien­berichterstattung über den Brexit festhalten
Notieren Sie schriftlich, über welche Aspekte des Brexits Sie über die Medien informiert werden wollen:
Was interessiert Sie am meisten? Welche Ansprache ist Ihnen wichtig? Welche Frage­stellungen stehen für Sie im Vordergrund?
Wortwolken als Instrument für die Textanalyse nutzen
Einzelaufgabe: a) Notieren Sie auf Zetteln innerhalb von zwei Minuten Begriffe, die Ihnen spontan zum Brexit und seinen Folgen einfallen. Gehen Sie dabei intuitiv vor.
Plenumaufgabe: b) Erfassen Sie alle Begriffe aus Ihrer Lerngruppe in einem Textdokument. Mehrfach­nennungen sollten entsprechend häufig aufgenommen werden. Geben Sie die Wort­liste in einen Wortwolken-Generator ein.
c) Erstellen Sie nun aus jedem der vier Artikel des Kapitels ebenfalls eine Wort­wolke, und vergleichen Sie die Ergebnisse:
– Welche Personen, Ereignisse oder Themen stehen laut der Wortanalyse jeweils im Vordergrund?
– Welche aus den Artikeln erzeugte Wortwolke kommt der aus Ihrer Klasse am nächsten?

Linktipp: wordle.net

Basis-Aufgabe

Gruppenaufgabe: Die Bericht­erstattung über den Brexit in einer simulierten Redaktions­konferenz festlegen
a) Bilden Sie Arbeitsgruppen. Besprechen Sie in der Rolle von Redakteuren in einer simulierten Redaktionskonferenz, wie Ihr Medium über den Brexit berichten soll. Diskutieren Sie, welche Inhalte, Fragen oder Problem­stellungen aufgegriffen werden sollen, welches Interesse Ihre Leser an dem Thema haben könnten und welchen Schwerpunkt Sie folglich setzen. Orientieren Sie sich hierfür gegebenenfalls an den Aufgaben zum Einstieg.
b) Halten Sie die Ergebnisse Ihrer Redaktionskonferenz schriftlich fest, und begründen Sie Ihre Entscheidung. Formulieren Sie abschließend einen Teaser zu Ihrem Artikel, der die Kern­aussage zusammenfasst.
Hinweis: Definieren Sie im Vorfeld, für welches Medium und welche Ziel­gruppe Ihre Zeitung schreibt, z. B. Boulevard oder Qualitäts­journalismus, Print oder Online, Alters­gruppe, Bildungs­stand etc.

Weiterführende Aufgaben

Gruppenaufgabe: Textarbeit: Unterschiedliche Medienartikel zum selben Thema analysieren und vergleichen
Bilden Sie Arbeitsgruppen, die jeweils einen der Texte bearbeiten.
a) Markieren Sie im Text meinungsbildende Passagen (Standpunkt der Autoren, Forderungen, Schuldzuweisungen), informierende Passagen (Daten und Fakten, Hintergrundinformationen) und anschaulich schildernde Passagen (reportagehafte Elemente, Sinneseindrücke).
b) Charakterisieren Sie den Text mithilfe von Sternen (von * = „kaum bis gar nicht“ bis ***** = „sehr stark ausgeprägt“).
sachlich-informativ:
reflektiert-abwägend:
objektiv:
wertend:
emotional:
nüchtern:
ironisch:
hintergründig:
unterhaltend:
verständlich:
c) Ausgewogenheit: Bewerten Sie, wie differenziert bzw. einseitig der Autor seinen Standpunkt darstellt: Werden mehrere Standpunkte abwägend gegenübergestellt? Ist der Text eher objektiv informierend oder subjektiv meinungszentriert abgefasst?
d) Darstellungsform: Legen Sie fest, um welche journalistische Darstellungsform es sich bei dem jeweiligen Artikel handelt.
e) Zielgruppenanalyse: Erschließen Sie aufgrund inhaltlicher und sprachlich-stilistischer Merkmale, welche Zielgruppe der Artikel anspricht. Markieren Sie die Textpassagen, an denen Sie dieses festmachen.
f) Themenauswahl: Gewichten Sie, wie stark sich der jeweilige Autor auf folgende Aspekte bezieht:
– Das Brexit-Referendum und die Austrittsverhandlungen als solche
– Politische Hintergründe und Analysen
– Zukunftsprognosen, Auswirkungen des Brexits
– Einzelne Personen oder Bevölkerungsgruppen
g) Aufbau und Inhalte: Arbeiten Sie die wichtigsten Hintergrundinformationen, die eingenommenen ­Standpunkte und die Argumentationsstruktur des Artikels heraus. Nehmen Sie hierfür eine Feingliederung des Artikels vor.
h) Intention: Fassen Sie zusammen, welche Botschaften (offene oder verdeckte) die Adressaten erreichen sollen. Erschließen Sie hieraus die Intention des Autors, und formulieren Sie die Kernaussage des Artikels. Begründen Sie, warum der jeweilige Autor das vorliegende Format für seine Intention gewählt hat.
i) Rezeption: Angenommen, ein Leser würde seinen politischen Standpunkt hinsichtlich des Brexits allein aus dem vorliegenden Artikel gewinnen: Welche Position würde dieser Leser bei einer Diskussion im ­Freundeskreis zu diesem Thema beziehen?
j) Fazit: Vergleichen Sie den Artikel mit den Ergebnissen Ihrer „Redaktionssitzung“ aus der Basis-Aufgabe: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es? Ist das Konzept des Artikels aus Ihrer fiktiven Redaktion in Ihren Augen besser oder schlechter als der vorliegende Beitrag? Begründen Sie Ihre Einschätzung.
Plenumsaufgabe: k) Fassen Sie Ihre Arbeitsergebnisse schriftlich zusammen, und präsentieren Sie diese im Plenum. Nehmen Sie nun einen Medienvergleich vor: Charakterisieren Sie die unterschiedlichen Herangehensweisen der Artikel zum selben Thema, und erörtern Sie deren Vor- und Nachteile.
l) Diskutieren Sie darüber, welcher Autor das Thema in Ihren Augen am besten verarbeitet hat und somit am kompetentesten zur politischen Meinungsbildung beigetragen hat.

Hausaufgabe- oder Projektvorschlag

Gruppenaufgabe: Einen Pressespiegel zu einem aktuellen Thema erstellen
In einem Pressespiegel werden im Rahmen der Medienbeobachtung Beiträge zu einem aktuellen Thema zum Vergleich zusammengestellt. Meist sind es Auszüge, die pointierte Kommentare und Standpunkte der Leitartikel deutlich machen, es können auch ganze Beiträge zur Gegenüberstellung gesammelt werden.
a) Sammeln Sie mindestens sechs aussagekräftige Zitate aus Leitartikeln oder Kommentaren für einen Pressespiegel, die den Standpunkt des Mediums oder des Autors deutlich machen. Wählen Sie hierzu ein aktuelles, möglichst kontrovers diskutiertes Ereignis. Notieren Sie, welches Medium anhand der vertretenen Position eher eine linke, linksliberale, wirtschaftsliberale oder konservative Orientierung erkennen lässt. Orientieren Sie sich hierbei gegebenenfalls an den politischen Parteien oder Lagern für eine Zuordnung.
b) Führen Sie die Aufgabe a) fort, und beobachten Sie eine Woche lang, welche politische Ausrichtung ­überregionale Zeitungen in Deutschland einnehmen. (Bild, Die Welt, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, taz, Handelsblatt, Neues Deutschland)


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