Chancen und Risiken im Internet

Neuartige Kommunikationsmöglichkeiten lassen die Welt enger zusammenrücken, in Echtzeit bekommen wir mit, was in den fernsten Regionen geschieht, fast alle Arbeitsabläufe wurden erleichtert, das Wissen der Menschheit ist auf Knopfdruck vorhanden: Das Digitalzeitalter hat uns zweifellos viel Gutes beschert.

Homescreen eines Smartphones
© pixabay

Doch auch Überwachung und Gängelung nehmen zu. Es wächst die Abhängigkeit von undurchsichtigen Großunternehmen, die sich immer unverfrorener als Torwächter zwischen uns und die Außenwelt setzen. Wenige Monopolisten haben gewaltige Datenpools geschaffen, in denen sensible Daten von so gut wie allen Menschen verzeichnet sind. Es war nie ein Geheimnis, dass diese Unternehmen darauf abzielen, ihr Wissen zu Geld zu machen. Zugleich unterhöhlt die algorithmenbasierte Internetökonomie gewachsene Strukturen, was gewaltige Auswirkungen hat. Vom Handel lebte bislang schließlich ein guter Teil der Gesellschaft. Ist der stationäre Handel erst einmal weggebrochen, können die neuen Monopolisten außerdem beliebig Preise und Standards diktieren. Cum grano salis gilt dies auch für den Handel mit Informationen, also den journalistischen Markt.

Daneben sind Cyberkriminelle aller Gefährlichkeitsstufen im Netz aktiv, ebenso die Geheimdienste diverser Länder, wie wir spätestens seit der NSA-Affäre wissen. Inzwischen investieren sogar viele Staaten enorme Summen in Abteilungen zur Cyberkriegsführung. Ein herrschaftsfreier Raum ist das Internet also mitnichten, auch wenn sich dieses Image aus der leicht anarchischen Frühphase des Internets partiell erhalten hat. Und doch will wohl niemand zu dem Zustand vor der elektronischen Verschaltung der Welt zurückkehren. In diesem Kapitel werden Chancen und Risiken des Internetzeitalters auseinanderdividiert. Es wird sich zeigen, dass es in vielen Risikobereichen – Datenschutz, Urheberrechtsproblematik, Betrug, Viren, Cybermobbing – vor allem auf das richtige Verhalten ankommt, um das Internet, diese größte Erfindung der Menschheit, als Bereicherung zu erfahren und nicht als Bedrohung.

Fundgrube für Informationen

Die Monopolstellung des Internets im Bereich der öffentlichen Kommunikation führt zu zahlreichen Verwerfungen. Unbestritten ist aber, dass die digitale Revolution das Wissen (zunächst einmal) demokratisiert hat. Viele Inhalte, die früher nur denjenigen zur Verfügung standen, die Zugang zu einer Fachbibliothek hatten, sind heute auf einen Klick verfügbar, auch wenn damit hier und da Urheberrechte umgangen werden. Die weltweite informationelle Grundversorgung ist im Internetzeitalter weitgehend gesichert. Das ist gerade in den Ländern wichtig, deren Regime auf Kontrolle und Gängelung ihrer Bürger setzen. Einzelne Websites mag man mehr oder weniger wirkungsvoll blockieren können, aber eindämmen lässt sich die Informationsflut nicht mehr, nicht einmal in Ländern wie China, das die Überwachung der Internetkommunikation perfektioniert hat. Das größere Problem ist eher die Überfülle an Informationen. Es beginnt schon bei der Suche: Ob man im riesigen Parallelkosmos Internet tatsächlich fündig wird, hängt davon ab, wie geschickt gesucht wird. Eine simple Google-Recherche spuckt neben weiterführenden Treffern in der Regel auch viel Unpassendes, Doppeltes und immer gezielter zugeschnitten Werbendes aus. Die Zahl der Ergebnisse liegt selbst bei halbwegs spezifischen Anfragen oft im Hunderttausenderbereich. Wer beispielsweise eine Hausarbeit über Otto von Bismarck zu schreiben hat und „Bismarck“ bei Google eingibt, erhält 28 Millionen Ergebnisse in 0,48 Sekunden. Um jede davon auch nur 10 Sekunden lang anzusehen, brauchte man neun Jahre – ohne Pause. Wie also ist bei der Suche am besten vorzugehen?

Didaktisch-methodischer Kommentar:
Die Arbeitsaufträge in diesem Kapitel verfolgen das Ziel, die Lernenden für mediale Entwicklungen des digitalen Zeitalters zu sensibilisieren. Die Schüler erarbeiten Schutzstrategien für Gefahren im Internet wie Informationsüberflutung, Schadsoftware, Aushebelung des Datenschutzes, den Umgang mit persönlichen Daten und Urheberrechtsverletzungen und erstellen Erklärvideos. Hierbei wird deutlich, dass diese Risiken durch einen kompetenten Umgang mit Medien wesentlich gemindert werden können. Die Aufgaben zielen daher auf mediale Handlungskompetenz ab und sollen zur eigenverantwortlichen informationellen Selbstbestimmung beitragen. In weiteren Aufgaben erfahren die Schüler, wie sie in ihrer Rolle als Verbraucher oder Prosumer die Zukunft des Journalismus im Internetzeitalter konstruktiv mitgestalten können.


Arbeitsanregungen – Chancen des Informationszeitalters

„Die weltweite informationelle Grundversorgung ist im Internetzeitalter weitgehend gesichert.“ Jimmy Wales, Internetpionier und Mitbegründer von Wikipedia, formulierte seine Vision mit den Worten: „Stell dir eine Welt vor, in der jeder Mensch auf der Erde freien Zugang zum gesamten menschlichen Wissen hat. Das ist, was wir machen.“
a) Plenumsaufgabe: Diskutieren Sie die Zitate. Denken Sie auch über den Unterschied von Informationen und Wissen nach.
b) Gruppenaufgabe: Entwerfen Sie in Partnerarbeit ein beispielhaftes Szenario für eine fiktive Familie in einer wirtschaftlich armen Region der Welt: Welche Veränderungen könnte der freie Zugang zu Informationen durch das Internet für die einzelnen Familienmitglieder in Alltag und Beruf haben?


Das könnte Sie auch interessieren

X

Sie verwenden einen sehr alten Browser.

Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser.
Aktuelle Browser finden Sie hier